04.09.2009 um 06:30 Uhr · Veröffentlicht unter Fussball
Gut möglich, dass ich mich wiederhole, aber: es geht wirklich nichts über liebgewonnene Traditionen. Das Mannschaftstraining am Morgen nach dem Spiel ist eine dieser Traditionen, die ich nur zu gerne auskoste, wenn ich in Stuttgart übernachte und so lange dort bin, wie es nötig ist, um erneut auf Autogrammjagd zu gehen. Und auch dieses Mal kam ich voll auf meine Kosten.
Am Donnerstag morgen brach ich auf, von Holzgerlingen nach Stuttgart-Bad Cannstatt, schnell das Zeug zentral ins Schließfach gesperrt, geschwind noch das aktuelle VfB-Jahrbuch organisiert und schon war ich – mit 10 Minuten vermeintlicher Verspätung – auf dem Trainingsgelände angekommen, welches schon gut gefüllt war.
Mein Stammfahrer Reinhart samt Familie erschien sogar auch, mit Frau und Kind. Mit knapp 1 Stunde Verspätung begannen dann auch die Jungs mit dem Training, als ich schon die 2. Schicht Sonnencreme aufgetragen habe. Selbst mit Lichtschutzfaktor 50+ creme ich mich lieber wirklich alle Stunde ein, um sicher zu gehen – wer hat schon gerne Verbrennungen 2. Grades, wie einst Ende Juli beim Gaustar Cup in der Nähe von Trier. Vorsicht ist die Mutter des programmiererweißen Bleichgesichts.
Zum Training gibts es nichts wirklich spannendes zu berichten, jedenfalls bis zu dem Moment, als ich auf einem der hinteren Plätze einen Blondschopf individuell mit einem Betreuer trainieren sah – das konnte nur einer sein: unser Alex Hleb! Oder? Schnell die Kamera ausgepackt, rangezoomt, fotografiert, und auf dem Display erneut rangezoomt: er war es wirklich. Und wenn ich hier bis zum nächsten Morgen stehen würde, ich würde solange auf ihn warten, bis er das Trainingsgelände unter meinen Blicken verlässt.

Timo Gebhart |
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Als die Jungs Anzeichen machten, das Training zu beenden, machten Reinhart, Conny, die kleine Olivia und ich uns auf in Richtung Ausgang, ich blieb für Fotos und Autogramme, die anderen 3 kehrten ein ins benachbarte Clubrestaurant. Ich genoss die Zeit, es war schön, wieder beim Training zu sein und zu wissen, dass gleich die Spieler für die Autogramme rauskommen würden.

Thomas Hitzlsperger |
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Da das Training gut besucht war, zog sich die Warterei auf die Spieler massiv in die Länge, doch Spieler für Spieler konnte ich abgreifen: Thomas Hitzlsperger, Christian Träsch, Serdar Tasci, Ludovic Magnin, Ricardo Osorio – nicht meine ersten Fotos mit diesen Spielern. Die, die mir noch fehlten, waren leider schon weg, gar nicht erst beim Training gewesen oder sind mit dem Auto einfach rausgefahren, das Gros der Spieler nahm sich jedoch sehr viel Zeit für die Foto- und Autogrammwünsche der zahlreichen Fans.

Stefano Celozzi |
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Wo ich noch einst bei meinem ersten Training vor den Spielern weiche Knie bekam vor Ehrfurcht, traute ich mich langsam, mit den Spielern kurz zu plaudern, so fragte ich Christian Träsch, wie es denn seinem Arm ginge und wünschte ihm eine gute Genesung, wofür er mir ein zauberhaftes Foto-Lächeln schenkte. Bitterer Wermutstropfen: ich werde nie verstehen, warum Neuzugang Stefano Celozzi sich ausgerechnet in dem Moment die Haare aus dem Gesicht streichen musste, als der Auslöser meiner Kamera gedrückt wurde. Doch er ist noch neu und das nächste Mal werde ich ihn extra bitten: “Nicht blinzeln, schön lächeln, in die Kamera schauen und vor allem, lass deine Haare in Ruhe!”.

Ludovic Magnin |
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Unseren Volkshelden konnte ich nach wie vor nicht erspähen – als die letzten Spieler rausfahren, fragte ich den Mitarbeiter der Security, wer denn noch käme, ob überhaupt noch jemand drinnen war. Er bestätigte, das lediglich Alex Hleb und Pavel Pogrebnyak noch da waren, letzterer müsste aber um 3 zu einem Termin. Und als sich die meisten bereits auf den Heimweg gemacht hatten, sah ich ihn, unsere weißrussische Zaubermaus. Er winkte uns Fans von weitem zu, schnell wurde ich nervös, ich ging davon aus, er würde sich blicken lassen.

Christian Träsch |
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Das Gespräch auf dem Parkplatz, was er noch mit Pavel Pogrebnyak führte, der gegen Freiburg sein erstes Tor im VfB-Trikot erzielte, zog sich hin. Für mich eine weitere Gelegenheit, eine weitere Schicht – wie viele waren das eigentlich? – Sonnencreme aufzutragen. Kurz darauf stieg Alex Hleb in sein Auto und fuhr langsam heraus – ich werde mich damit begnügen müssen, das er mir freundlich zurückgewunken hatte – und so wurde ich stehen gelassen, einzig und allein mit der Hoffnung, in dieser Saison noch das begehrte Foto und Autogramm zu ergattern. Wir hoffen, er bliebe länger, aber nach dem einen Jahr der Ausleihe von Barcelona wird er wahrscheinlich wieder gehen (müssen). Für uns wird er aber immer ein Held sein.

Sven Ulreich |
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Trotz der Enttäuschung, kein Autogramm und Foto von und mit Alex Hleb bekommen zu haben, konnte sich meine Ausbeute doch sehen lassen. Mein neues VfB-Jahrbuch sah durch den massiven Gebrauch an jenem Donnerstag schon ziemlich mitgenommen aus. Es wird irgendwie überleben müssen bis zum Saisonende – wenn hoffentlich jede Seite ein unleserliches Gekrakel ziehrt und ich mir zu Beginn der Saison 2010/2011 ein neues Jahrbuch kaufen kann.

Cacau |
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Ricardo Osorio |
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Arthur Boka |
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Matthias Schwarz |
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Serdar Tasci |
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Co-Trainer Alexander Zorniger |
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Sebastian Rudy |
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Alexander Stolz |
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Roberto Hilbert |

Georg Niedermeier |

Julian Schieber |
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Alexander Hleb (rechts) und Pavel Pogrebnyak |
03.09.2009 um 22:32 Uhr · Veröffentlicht unter Fussball, Live im Stadion, Vereinsspiele
Der erste Schritt war getan, das Hinspiel gewannen wir sensationell mit 2:0 auswärts in Timisoara, Rumänien. Es war die Reise meines Lebens, denn ich erlebte dieses Spiel live. Nun war es an der Zeit, den letzten Schritt zu tun und in die Champions League einzuziehen.
Geliebtes Stadion
Und auch hier ließ ich es mir nicht nehmen, dabei zu sein. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich Heim- und Auswärtsspiel der Champions League Qualifikation sehen würde, und somit organisierte ich mir unlängst das Ticket für das Qualifikations-Heimspiel an jenem Mittwoch Abend des 26.08.2009. Es wurde wieder zu einem mehrtägigen Urlaub, um die Zeit bis zum Bundesliga-Heimspiel gegen Nürnberg zu überbrücken.
Nach einem halben Arbeitstag brachen wir in Leipzig am Hauptbahnhof auf. Angekommen in Stuttgart, schon längst zu meiner zweiten Heimat geworden, wurde erst einmal sämtliches überflüssiges Gepäck ins Schließfach im Bahnhof Bad Cannstatt eingeschlossen, von wo ich von meiner guten Freundin Julia abgeholt wurde und wir gemeinsam zum Stadion pilgern wollten.
Bea (links), Julia (rechts) und Ich – meine Mädels
Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich meine ebenfalls gute Freundin Bea das letzte Mal gesehen habe, und so traf man sich dann zu Dritt am Fancenter neben dem Stadion. In einer gemütlichen Weiberrunde scherten wir uns nicht um die Menschen um uns herum, in diesem Moment waren nur wir 3 und die Biermischgetränke wichtig, es wurde viel erzählt und gelacht, es war eine Wohltat. Zumal meine Jungs von tooor.de nicht aufgetaucht sind und ich somit meine ganze Aufmerksamkeit den Ladies widmen konnte.
Die Hände zum Himmel
Der Puls stieg, die Minuten bis zum Anpfiff des Qualifikations-Rückspiels vergingen wie im Flug, bis es Zeit wurde, aufzubrechen. Auf den Stufen zu meinem Platz in Block 37c fand ich eine einwandfrei erhaltene Stadionzeitung, die nur wenige Seiten fasste, aber ebenso mein Repertoire an mitgebrachten Stadionzeitungen vervollständigen sollte wie alle anderen auch. Normalerweise hätte ich vermutet, das ich am Platz einen von meinen Jungs treffe, leider war keiner von ihnen da und so schaute ich das Spiel quasi allein – der nette Sitznachbar, mit dem man plaudern konnte, war nur ein kleiner Trost.
Wohlwissend, dass wir schon mit einem Bein in der Champions League Gruppenphase standen, waren für das Spiel, das nun endlich beginnen konnte, keine großen Überraschungen zu erwarten. Und genau so gingen meine Jungs auch in diese Partie hinein, als hätten sie schon gewonnen anstatt etwas zu verlieren haben. Und wir wissen sehr wohl aus Erfahrung, dass eben jene allzu lockere Einstellung nach hinten losgehen kann.
Mit wehenden Fahnen in die Königsklasse
Viel ist dann tatsächlich nicht passiert. Um ehrlich zu sein: gähnend lange Minuten. Und die Halbzeitpause kam dann auch schon recht schnell wie ein Segen, denn so konnte ich mich mit Martin, den ich einst beim Hinspiel gegen Frankfurt kennenlernte, treffen und wir noch eine Stärkung in Form von Flüssigkeit zu uns nehmen konnten.
Wenn das Spiel schon nicht das Gelbe vom Ei ist, und man in einem Bereich der Cannstatter Kurve sitzt, der eher als Sitzpublikum bekannt ist, was tun? Man wechselt ungemerkt den Block und so ging ich mit Martin kurz vor Wiederanpfiff hinein – im Block 33 war es dann schon um einiges angenehmer. Man rückte zusammen damit ich Platz habe. Gestört hat sich keiner, gestanden haben ohnehin alle.
Stimmungsvolle Flutlicht-Atmosphäre
Somit sah ich das Spiel von dort aus weiter, wo die Stimmung zumindest prächtig war, man aber zumindest noch die Freiheit hat, unangerempelt Fotos und Videos zu machen. Und das nutzte ich voll aus, denn das Spiel nahm, man wollte es zuerst kaum glauben, kurz vor Schluss noch einmal ein wenig Fahrt auf. Eine Welle des Angriffs nach der anderen rollte auf uns zu: der VfB stürmte, Timisoara zitterte – doch es sollte nicht sein. Die Minuten bis zum Anpfiff wurden länger und länger, meine Kamera war fast im Dauerbetrieb nach vorne aufs Spielfeld gerichtet – ich vermag es ja durchaus zu können, das aufzeichnen von Toren mitsamt dem Jubel, dem Geschrei, dem Gespringe und dem Geschüttel. Aber es blieb leider aus.
Nur noch wenige Sekunden – auch wenn das Tor nicht fallen wollte, so sangen wir voller Inbrunst und aus ganzem Herzen: “Stuttgart in der Champions League” – ein torloses Unentschieden reichte uns dank des 2:0 im Hinspiel. Lange habe ich kein so langweiliges Spiel gesehen, man wollte kein Risiko eingehen, ein wenig mehr hätte es schon sein dürfen. Aber war ich sauer? Nein, nicht wirklich.
Torlos? Egal!
Als ich mich nach dem Spiel wieder mit Julia traf, bei der ich übernachten durfte, verabschiedete ich mich dann auch von meinem guten Freund Martin, der in Richtung Bus musste. Er fuhr nach Hause nach Biberach an der Riss, Julia und Ich nahmen die Bahn zum Böblinger Bahnhof, wo wir mit dem Auto nach 10 Minuten in Holzgerlingen waren.
Ein lahmes Spiel, das war klar, aber immerhin war die Champions League nun beschlossene Sache. Und als ich meine Augen schloss, fing ich an, zu überlegen, wo ich die 90 Euro für das Champions League Paket herbekomme – alle 3 Heimspiele des VfB in der Champions League. Fast schon “selbstverständlich” hatte ich es längst in Auftrag gegeben. Immerhin hatte ich kaum Zweifel an einer erfolgreichen Qualifikation.
Bruddel-Martin und ich :)