14.06.2008 um 18:05 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
So, Schnapszahl ahoi! Ich bin heute 22 Jahre alt geworden!
Ich bedanke mich auch hier nochmal bei allen, die mir so nett gratuliert haben! In weniger als 2 Stunden werde ich nach Dresden aufbrechen, von wo aus ich um Mitternacht nach Wien fahren werde: Deutschland gegen Österreich! Drückt mir die Daumen!
Unter anderem gabs eine Flasche Whisky, Schnaps, keine Ahnung, in einer limitierten EM 2008 Edition – geile Sache! Dazu das Buch Fever Pitch, eine VfB-DVD, viel Geld und so einige Deutschland-Sachen. Wenn ich von meiner Reise wiederkomme, brauch ich erstmal Entspannung – mit dem Entspannungsbad, welches ebenfalls auf dem Gabentisch zu finden ist.
Mein 20. Geburtstag war einst ja auch nicht schlecht – 14.06.2006, Deutschland gegen Polen, das späte 1:0 durch Oliver Neuville. 2 Jahre und 2 Tage wird es wieder Zeit! Denn 2 Tage nach dem Spiel gegen Österreich will ich unbedingt zum Viertelfinale!
Auf gehts Deutschland, kämpfen und siegen! Schenkt mir den Sieg als nachträgliches Geburtstagsgeschenk!
“Das lassen wir uns von niemanden gefallen…schon gar nicht von Polen!” – So hatte es einst Jürgen Klinsmann formuliert, im Kreise der Nationalmannschaft kurz vor dem WM-Spiel gegen Polen im Juni vor 2 Jahren. Und er hatte Recht behalten, Deutschland siegte im letzten Moment gegen unbequeme Polen und ließ die deutsche Party im WM-Sommer 2006 erst richtig starten. Schön war die Zeit – logisch, das man das wieder so machen möchte.
Auf zum EM-Titel!
Es war das Auftaktspiel für die deutsche Mannschaft. Und das ausgerechnet gegen unseren Lieblingsgegner aus dem Nachbarland. Die Erwartungen und Hoffnungen beider Mannschaften sind selbstredend hoch gewesen.
Text
Nur wenige Tage zuvor startete die polnische Boulevardpresse eine Hetzkampagne, die den polnischen Trainer Leo Beenhakker mit den abgeschlagenen Köpfen von Jogi Löw und Michael Ballack als Fotomontage zeigte. Unnötig, aber jedes Land hat wohl seine Bildzeitung.
Ausgerechnet ein Pole trifft gegen Polen
So viel zu den Fakten. Die Suche nach der richtigen Umgebung, um das Spiel anzuschauen, welches schon vorentscheidend für den restlichen Turnierverlauf sein kann, wurde zum Kraftakt. Zu Hause? Langweilig! Großes Public Viewing auf dem Augustusplatz in Leipzig? Gibt es nicht! Spontan nach Dresden zum Public Viewing fahren? Zu teuer und zu kurzfrstig! Im Sportcafe? Vielleicht! Mit Freunden wollte ich schauen – das Ende vom Lied: alleine in der Stammkneipe. Völlig egal.
Lukas Podolski schießt Deutschland in Führung
Sie nahte in riesen Schritten, die lang erwartete Europameisterschaft 2008, die uns deutsche Fans, begleitet von einer sensationellen EM-Qualifikation, in eine mireissende Vorfreude tauchte. 2 Jahre haben wir darauf gewartet, nun war es endlich soweit. Wieviele Ticketsorgen wir doch damit hatten? Ich gehöre letztendlich zu den Glücklichen (Deutschland-Österreich, Viertelfinale).
Jubel, Trubel, Heiterkeit
Die Stimmung in meiner Stammkneipe war selbstredend leider nicht jene elektrisierende Gänsehautstimmung, die mich die traumhaften Wochen von 2006 niemals vergessen lassen wird, aber sie war dennoch ganz ordentlich.
Ackerte fleißig: Mario Gomez
Das Spiel begann mit dem ersten erhöhten Puls des Abends – erste Unsicherheiten von Keeper Jens Lehmann. Im fortlaufenden Spiel besserte er sich allerdings zusehendst, keine Frage, Jens Lehmann ist ein Turnierspieler. Nächste Bundesligasaison wird er für uns, den VfB Stuttgart im Tor stehen, worauf ich mich schon gespannt freue.
Bärenstarkes Spiel: Clemens Fritz
20 Minuten waren gespielt und dann fiel es, das erste deutsche Tor unserer Jungs bei der EM. Ausgerechnet Lzkas Podolski wurde von Miroslav Klose bedient, beide gebürtige Polen. Wo die Bälle vor 2 Jahren einfach nicht reinwollten und das Gehäuse von Keeper Boruc wie zugenagelt schien, trafen sie dieses Mal voll ins Schwarze. Deutschland jubelt – und die Polen? Die bleiben einer unserer Lieblingsgegner.
Einer geht noch: Poldi macht das 2:0!
Das Spiel war unglaublich spannend, dauernd ging es hin und her, die deutschen mit drückendem Übergewicht und den besseren Szenen. Die Polen allerdings nicht ungefährlich, doch zu harmlos vorm Tor. So konnte es beruhigt in die Halbzeitpause gehen. Das unsere Jungs auch gern mal dazu neigen, den direkten Ausgleich zu bekommen, bewies das 2:2 gegen Weißrussland. Diesmal wird alles anders, das ahnte ich bereits.
Jens Lehmann mit kleinen Unsicherheiten
Mit Beginn der 2. Halbzeit stellten die Deutschen ein wenig den Spielbetrieb ein und wurden schwach, fanden aber rasch wieder zur Stärke der souveränen 1. Halbzeit. So war es nicht weiter verwunderlich, dass das 2:0 die logische Konsequenz polnischer Harmlosigkeit war. Und wieder verdanken wir es ihm: Lukas Podolski!
2-facher Vorlagengeber Miro Klose
Selbstredend war die Stimmung im Sportcafe richtig klasse, fast wie zu besten WM-Zeiten. Das Ding schaukeln wir nach Hause, ist doch klar! Und so war es dann auch – hier und da noch ein paar vergebene Chancen, unter anderem durch Mario Gomez, aber solange wir souverän und stark spielen und auch noch 3 Punkte einfahren, ist alles gut.
Auch er ist gebürtiger Pole
Jetzt müssen wir nur noch 5 Spiele gewinnen, wenns doch nur so einfach wäre. Ich glaube ganz fest an meine Jungs und labe mich schon jetzt an der Stimmung in meinem Umfeld, die die Erinnerungen an 2006 wiederholt. Den Sommer vor 2 Jahren wird man nie wieder in dieser Form wiederholen können, doch die vielen Deutschlandfahnen an den Autos und ersten Autokorsos zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich seufze zufrieden und sage zu mir: So muss das sein.
06.06.2008 um 22:54 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Das war wirklich überaus amüsant anzusehen! Heute gabs auf dem Augustusplatz einen Flashmob. Was zum Geier ist ein Flashmob? Ein Flashmob ist ein scheinbar spontanes Zusammentreffen fremder Leute, die gemeinsam eine Aktion starten. Beispiele: In der Berliner Innenstadt 3000 Burger bei McDonalds bestellen. Oder zu hunderten in einem Pfennigartikelladen einen billigen Artikel mit einem 5-Euro-Schein bezahlen.
Von Flashmob-Kissenschlachten habe ich bereits gehört. Ein Kollege teilte mir mit, dass da was stattfindet, das Wann und Wo breitet sich meist per E-Mail, Messenger oder SMS aus. Jeder sollte ein Kissen mitbringen. Mitgemacht habe ich diesmal nicht, aber ich amüsierte mich köstlich über einen großen Haufen verrückter Leute, die sich gegenseitig die Kissen um die Ohren hauten und nicht aufhörten bevor die Federn flogen. Nächstes Mal mache ich vielleicht mit.
Besser als das letzte Spiel gegen Weißrussland vor ein paar Tagen war es allemal. Die deutsche Nationalmannschaft konnte das letzte Testspiel vor Beginn der Europameisterschaft in genau einer Woche für sich entscheiden. Wars schön? Nein! Wars wichtig? Allerdings! Wichtig fürs Selbstbewusstsein, um den anderen Mannschaften bei der EM ordentlich Feuer unter den Hintern zu machen.
Mit Teamgeist zum Titel
Zurück zu alten Traditionen, jedenfalls ein letztes Mal bis zu den ersten Länderspielen nach der EM. Gestern schaute ich noch bei meinen Eltern, zur EM werde ich wohl Sportcafes, Kneipen und – sofern dann doch vorhanden – Großbildleinwände aufsuchen.
Das Spiel in der Zusammenfassung
Leider wird es letzteres höchstwahrscheinlich aufgrund fehlender Sponsoren nicht geben. Fantastische Erinnerungen an das Jahr 2006 kommen hoch, unzählige Menschen auf dem Augustusplatz in Leipzig, wo man sich lachend und vor Freude weinend in den Armen lag und Menschen, die man bis dahin nicht kannte, auf einmal zu den wichtigsten Menschen werden, mit denen man diese großen Emotionen teilt. Was gäbe ich dafür, das in diesem Sommer wieder zu erleben. Aber Jammern nützt ja nix.
Big Boss Ballack
Zurück zum Spiel von gestern. Das Spiel begann mit einem doppelten Schock. Ich schaltete erst etwas spät ein und war erst pünktlich zum Abpfiff vor der Glotze, das Vorgeplänkel und die Hymne, die ich sonst nie verpasse, blieben diesmal zwangsweise aus.
Der Mann für die wichtigen Tore
Keine 20 Minuten waren gespielt, da offenbarte sich unsere große Schwachstelle wie schon im Spiel gegen die Weißrussen: unsere Abwehr wankt und wackelt bedrohlich. Die Innenverteidigung, von der Bildzeitung als “die Brüder Schleich und Schnarch” betitelt werden, war erneut unaufmerksam und ließen Lehmann mit dem Serben völlig allein, der den ohnehin ebenfalls unter Druck stehenden Jens Lehmann auch noch durch die Beine zum 0:1 schoss. Das kann ja heiter werden. Vor mir stand das Abendessen auf dem Tisch – doch plötzlich vergang mir der Hunger.
Oliver Neuville trifft zum 1:1-Ausgleich
Was ich während des Spiels sah, vermochte kaum Freude aufkommen zu lassen. Unsere Jungs hatten zwar mehr Spielanteile, mehr Ballbesitz und mehr Chancen, brachten die Pille aber einfach nicht im Tor unter – dabei haben wir im Sturm sonst nie Probleme, und Ladehemmungen schon gar nicht.
Am besten als Joker
Die Defensive bereitete währenddessen weiterhin Kopfzerbrechen – wie soll das bei der EM funktionieren? Erinnerungen werden wach ans WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica, wo wir vorne 4 Tore geschossen haben, 2 davon (Philipp Lahm & Torsten Frings) besonders traumhaft schön, hinten bekamen wir jedoch 2 Gegentore eingeschenkt. Auch da wankte und wackelte die Abwehr, die sich im Laufe des Turniers allerdings wieder gefangen hat.
Glückwünsche von allen Seiten
15 Minuten vor Schluss wurde nicht nur ich unruhig, auch die ausverkaufte Arena auf Schalke machte ihrem Unmut mit zaghaften Pfiffen freie Luft. Pfeiffen muss nicht sein, aber gegen Serbien eine Viertelstunde vor Schluss 0:1 hinten liegen ist nicht nach dem Geschmack der in letzter Zeit erfolgsverwöhnten Deutschen.
An die 9 muss ich mich erst gewöhnen
Doch ich glaubte und glaube an Wunder, wie schon das späte Tor gegen Polen bei der WM, das schönste Geburtstagsgeschenk meines Lebens. Der Torschütze des besagten späten Polen-Tores war Oliver Neuville, dessen Nicht-Nominierung für die EM eigentlich relativ klar war. Hervorragende Leistungen in der Saison nach dem Abstieg 2007 und dem direkten Wiederaufstieg 2008 brachten Jogi Löw dazu, ihn doch zu berufen: und Gott sah, dass es gut war! In der 78. Minute traf Oliver Neuville zum 1:1-Ausgleich, nach einer Zuckerflanke von Marcell Jansen stolperte er im Strafraum irgendwie gegen den Ball und mitten ins Tor und die deutsche Glückseligkeit hinein. Spätestens jetzt wissen wir: es war gut, den Nationalmannschafts-Opa doch zu berufen. Der Mann für die späten und wichtigen Joker-Tore. Das bewies der 35-Jährige, der erst wenige Minuten zuvor eingewechselt war, in bester Manier.
Diesmal blieb er glücklos: Mario Gomez
Ein 1:1 ist aber nunmal nur ein Unentschieden. Ein Sieg musste her, alles andere ist nur die halbe Miete. Ein Freistoß aus aussichtsreicher Position ist klare Chefsache. Da trat natürlich der unangefochtene Kaptän, der Capitano, der Chef, der Boss, an: Michael Ballack legte sich die Kugel nur wenige Zentimeter vor der Strafraumgrenze hin, während sich vor ihm die serbische Mauer postierte.
Da steckt ordentlich Bumms dahinter!
Wenn er schießt, ist ordentlich Bumms dahinter. Ob das die Serben geahnt haben? Ungeachtet des Risikos, mit einem prallen Rechtsschuss jemanden zu verletzten, drosch er den Ball mit voller Wucht gegen die Mauer. Wie nennt man das gleich noch…Torschusspanik? Was es auch war, es veranlasste die 2 Serben, die in der Mitte der Mauer standen, genau jene wichtige Zentimeter Freiram zu öffnen, die der Ball brauchte, um neben dem Torwart im Netz einzuschlagen. Standardsituationen sind kein Lieblingsfach der deutschen Nationalmannschaft – aber man sieht: wenn sie etwas zu 1000% wollen, dann erreichen sie das auch, notfalls mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste. Ob die beiden Serben in der Nacht gut schlafen konnten?
Mit voller Wucht zum 2:1!
Nur noch wenige Minuten zu spielen, nach einem desaströsen Spielstart und dem lange andauernden Gefühl, dass diese Nummer unter Umständen doch schief gehen könnten, drehten die Titelaspiranten das Spiel. Einen letzten Angriff der Serben galt es noch 30 Sekunden nach Ablauf der 3-minüten Nachspielzeit mit Herzrasen zu überstehen, bis endlich der erlösende Schlusspfiff des Schiedsrichters zu vernehmen war. Das letzte Testspiel vor der EM endet glücklich, aber doch hochverdient mit 2:1.
Jetzt kann die EM kommen!
Ich freue mich nun auf die EM, in bester Hoffnung, dass sich unsere Abwehr schnell fängt! Mein Optimismus ist groß, ebenso wie die Vorfreude auf die 2 Spiele, die ich live erleben werde: Österreich-Deutschland und das Viertelfinale mit deutscher Beteiligung. Die EM kann kommen! Und auf einmal schmeckte auch das Abendessen wieder!