Im Rahmen des letzten EM-Vorrundenspiels gegen Österreich verbrachte ich am vergangenen Wochenende einige Tage im schönen Wien. Hier nun einige Worte und Bilder zum Aufenthalt in dieser wirklich traumhaften Stadt an der Donau.
Meine Reise begann schon an meinem 22. Geburtstag – am Samstag brach ich bereits nach Dresden auf, wo meine Anschluss-Mitfahrgelegenheit nach Wien fahren sollte, direkte Verbindungen gab es leider nicht. So konnten noch in aller Ruhe Geschenke eingeheimst werden, abends gings los nach Dresden. In Dresden angekommen musste erstmal ein Abendessen her, das hatte ich in der Eile der Vorbereitungen nicht mehr geschafft. McDonalds reicht ja schließlich auch, wenns drauf ankommt.
Es ist schon erstaunlich,was für Gestalten nachts im Bahnhof Dresden-Neustadt zu finden sind – schnell weg hier, war mein Gedanke. Mit leichter Verspätung sammelte mich meine Mitfahrgelegenheit dann auch ein und schon gings los zu meiner ersten Nachtfahrt. Einer der anderen 2 Mitfahrer zeigte sich äußerst erstaunt über die Tatsache, das ich ein Ticket habe und wie neidisch er sei. Da kam dann auch das martialische Gen in mir zum Vorschein. Selbstverständlich total “unabsichtlich” plauderte ich heraus, ich würde im Falle eines Erfolges in Wien nur wenige Tage später nach Basel reisen zum Viertelfinale. Der war vielleicht baff!
Immer wieder nickte ich während der Fahrt weg, auf dem Weg quer durch Tschechien war es selbstredend schwer, zu schlafen. Zwischen 3 und 4 Uhr nachts etwa, ich weiß es nicht mehr genau, wurde ich durch ein lautes “Ach du Scheisse!” und eine Vollbremsung geweckt – da schießt dir das Adrenalin bis zum Hals! Grund für die Aufregung war ein Unfall eines anderen Fahrzeuges, mitten auf der Autobahn in Tschechien war eine Unfallstelle nur unzureichend gesichert und wir wären fast ungebremst hineingefahren, wenn wir nicht rechtzeitig den Polizisten entdeckt hätten, der uns dann langsam an der Unfallstelle vorbeilenkte. Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigte uns ein Auto mit Komplettschaden – es wird jedenfalls nie wieder fahren können. Ob sich jemand verletzt hat? Dann entdeckten wir 2 weitere Polizisten, die einen Mann in der Mitte stützten, der noch bei Bewusstsein war – sein Hemd war blutverschmiert. Was mag passiert sein? Am Steuer eingeschlafen? Kontrolle über das Fahrzeug verloren? Ich weiß es nicht – ein Schock war es allemal.
An den Versuch, weiterzuschlafen war ohnehin erst einmal nicht zu denken. Eine halbe Stunde später machten wir kurz Halt an einer Tankstelle, wo ich mir derart den Arsch abgefroren habe, das es echt nicht mehr feierlich war. Irgendwann erlag ich dann doch der Müdigkeit und nickte wieder ein – aufgewacht bin ich erst wieder auf österreichischem Boden, als wir bereits am Stadtrand von Wien angekommen waren.
An einem McDrive wurde ich schließlich rausgeworfen und wartete nun auf Nici, die mich hier abholen sollte. Das könnte aber noch eine Weile dauern, das sagte sie mir ja gleich. Alles kein Thema – holte ich mir eben einen Cappuchino und setzte mich in eine ruhige Ecke um mein neues Buch “Fever Pitch” zu lesen, was ich zum Geburtstag bekommen hatte.
Doch dann passierte etwas, was ich nicht einkalkuliert hatte: der McDonalds schloss dann wieder, keine halbe Stunde nachdem ich eingetroffen war. Bis Nici eintrudeln sollte, das hätte durchaus noch dauern können, ich wusste nich, wo ich hin sollte, und nun schloss mein warmes Quartier. Angearscht, dachte ich mir, und stellte mich vor den McDonalds. Nach einer kleinen Ewigkeit wurde ich von Nici endlich eingesammelt, umarmte sie herzlich zur Begrüßung. Auf diesen Moment haben wir beide lange warten müssen – wir kennen uns schon seit Frühjahr 2004 und hatten uns bis zu diesem Tag noch nie getroffen gehabt.
Dann gings auch schon los zu ihrer Wohnung, wo ich 2 Mal nächtigen durfte. Dort angekommen gabs erstmal ein kleines Frühstück und dann haute ich mich gleich aufs Ohr, wenn auch nur für 2 Stunden. Der Zeitplan war eng gestrickt, also gingen wir Mittags in der Wiener Innenstadt lecker essen, fantastisch wars. Nici musste dann für einige Stunden auf Arbeit und überließ mich mit einem Stadtplan in der Innenstadt meinem Schicksal – ich hatte es ja nicht anders gewollt. Neugierig wanderte ich durch die Fußgängerzonen, schnarchte in einige Läden, die am Sonntag verkaufsoffen hatten und machte – natürlich – viele Fotos.
Noch war genug Zeit, an die Donau wollte ich während meines Wien-Aufenthalts ohnehin mal – also einfach in die U-Bahn rein bis zur Donauinsel, wo mich, ja wie soll ich sagen, eine Art Strandboulevard empfing. Trampoline für die Kids (8 Minuten für 2 Euro), viel Platz zum Chillen und vieeeeele Bars und Restaurants, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei war: jamaikanisch, italienisch, spanisch, japanisch, alles war da. Ich begnügte mich mit dem Wasser aus meinem Rucksack.
Abends sammelte mich dann auch Nici ein und wir schauten am Abend noch das Spiel Tschechien gegen die Türkei im Fernsehen auf einem geilen Großbild-Flat-TV, kleine Entschädigung, das ich nicht mehr die Kraft hatte, die Fanzone in Wien aufzusuchen, wo ich das Spiel ursprünglich sehen wollte. Im Nachhinein betrachtet war es gut, das ich nicht in der Fanzone war: die Tschechien führten 2:0, verloren am Ende aber dann doch noch mit 2:3 – und waren somit aus dem Turnier ausgeschieden im letzten Gruppenspiel. Ein Spiel, reich an Torchancen, Dramatik und Fassunslosigkeit, was den Tschechen zu schaffen machen wird, auch noch lange nach der EM. Unter dem türkischen Hupkonzert, was man auch bis in den Wiener Randbezirk vernehmen konnte, siegte erneut die Müdigkeit.
Bis 10 schlafen fetzt, bis halb 11 schlafen fetzt viel – so die Devise, des Montag morgens, bzw. Mittags. Nicis Mom machte uns dann leckres Mittagessen, dann gings schon wieder los, noch ein wenig in der Stadt rumschauen, wir brauchten noch dringend Fanausrüstung für Nici. Auch sie bemerkte den Ruck, der durchs Land ging, als ein mögliches 2. Cordoba in aller Munde war und die Österreicher sich plötzlich zu Großem berufen fanden – was Nici dazu veranlasste, sich mit Schminke, Fahne und Hawaiikette auszurüsten. Mir solls recht sein!
Bei mir stieg scheinbar minütlich die konzentrierte Anspannung, die mir auch klar anzusehen war, auch noch beim Fantreffen später direkt vorm Spiel. Am frühen Nachmittag traf ich dann schon Steffen, einen von “meinen Jungs” vom Forum tooor.de. Noch einige Zeit verging, dann war es auch an der Zeit, den Treffpunkt fürs Treffen aufzusuchen. Glücklicherweise begegnete ich auf dem Weg dorthin 2 weiteren Tooorlern, mit denen ich dann dort hin lief. Von Nici verabschiedete ich mich vorerst, man sollte sich des Nachts wiedersehen.
An dieser Stelle verweise ich auf meinen Blog-Artikel zum Spiel, hier bitte weiterlesen.
Es hatte sich ja angedeutet: einer von beiden würde vermutlich unter Tränen leiden. Glücklicherweise waren das nicht die Deutschen, wir siegten mit 1:0 nach einer sonst eher mäßigen Vorstellung. Nachts holte mich dann auch wie vereinbart die Nici von der U-Bahn-Station ab. Dann gings auch schon schlafen, zum lange Trödeln war keine Zeit, halb 8 in der Früh mussten wir schon wieder aufstehen.
Selten war ich noch so kaputt von den Strapazen eines langen Tages mit nur wenig Schlaf, aber aus dem Bett pellen muss man sich ja letztenendes doch. Nicht zuletzt sorgte Nici selbst für den Schock am Montag morgen, indem sie beim Griff zum Wecker statt des Lautstärkereglers ihr volles Wasserglas auf dem Nachtschrank erwischt hatte. Gottseidank passierte nicht mehr als ein bisschen nasser Teppich und die Tapete hat auch ein bisschen was abgekommen.
Schnell fertiggemacht, dann musste Nici zur Uni und nahm mich dorthin mit. “Geht das denn?”, meine Bedenken bei diesem Vorhaben waren groß. Aber ich kam tatsächlich mit in den Hörsaal und hörte mir eine Vorlesung in Regie- und Schauspielkunst an, wo 2 Referate gehalten wurden. Niemand fragte mich, wer ich sei und was ich hier mache – Glück gehabt. Danach gings wieder lecker Mittagessen und ein letztes Mal durch die Stadt spazieren.
Am frühen Nachmittag fuhr dann leider auch schon die Mitfahrgelegenheit, wir hatten zu meiner großen Trauer keine Zeit mehr, das Riesenrad am Prater auszuprobieren, wirklich schade! Aber unterm Strich ein überaus schöner und bereichernder Besuch in Wien.
Mit der Mitfahrgelegenheit ging es dann wieder zurück nach Dresden, anderer Fahrer, gleiche Strecke wie schon zur Hinfahrt, nur diesmal als Fahrt tagsüber. Die Müdigkeit ließ erneut meine Augen immer wieder zufallen, etwa halb 9 kamen wir dann in Dresden-Neustadt an, wo ich als erstes das nächste Cafe aufsuchte: Das letzte Gruppenspiel der Gruppe C, Italien gegen Frankreich. Es kann nur einen geben: Wer gewinnt, kommt ins Viertelfinale.
Dort lernte ich dann auch ein paar nette Leute kennen, die sich begeistert zeigten von meiner engagierten Wien-Tour und dem kommenden Vorhaben in Richtung Basel. Zu Ende konnte ich das Spiel, was die Italiener letztenendes mit 2:0 gewannen, zu Ende sehen. Die Anschluss-Mitfahrgelegenheit brachte mich zurück nach Leipzig, spät Nachts kam ich dann endlich an, die Straßenbahnen gerade weg, also mit dem Taxi heim.
Zufrieden und glücklich sank ich nach der ersehnten Dusche dann auch endlich ins Bett – auf zum Viertelfinale. Wenn auch mit einigen Bedenken.

































