Die letzte große Etappe meines nahezu perfekten Wochenendes: Die Autogramme und Fotos, die ich beim VfB-Mannschaftstraining am Sonntag Mittag bekommen habe. Ein unglaubliches Erlebnis, nachdem ich dachte, der Sonntag könne nach einem grandiosen 4:1-Sieg im Heimstadion und der darauffolgenden Tour über das Cannstatter Frühlingsfest am Samstag kaum noch besser werden. Ich hatte mich geirrt: es sollte ein wirklich (fast) perfektes Wochenende werden.
Noch in der Nacht, nachdem wir Samstags vom Wasen wiedergekommen sind, schauten Bea und Ich noch schnell auf der VfB-Webseite, ob ein Training stattfindet. Dort stand zwar etwas von “8:30 Uhr, Training Lizenzspieler”, aber sicher waren wir uns nicht. Egal, ich wollte hin. So standen wir dann frühs auf, frühstückten in Ruhe (inklusive VfB-Toast) und machten uns dann auf den Weg zum Stadion, wo in der Ferne tatsächlich die Jungs trainierten, beglotzt von dutzenden Zuschauern. Schon jetzt schlug mir das Herz bis zum Hals.
“Kostenloses Parken” ist immer gut, der Meinung schließe ich mich an. Auf dem Weg zum Trainingsplatz liefen schon Matthieu Delpierre und Serdar Tasci, die beiden Abwehrspieler, an uns vorbei – Wahnsinn, selbst jetzt war ich einem VfB-Spieler noch nie so nah. Ein Absperrband und die schon betrachtliche Entfernung zu den beiden, die zum Duschen wollten, hinderte ich mich dann aber dran, Autogramm und Foto zu bekommen.
Lange brauchten wir uns nicht zu gedulden. Die ersten beiden begannen weiter hinten damit, sämtliche Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen – die Runde herum und schön geduldig entdeckte ich dann, wer es war: die beiden Mexikaner Pavel Pardo und Ricardo Osorio. Jetzt schon voll nervös hielt ich den Zeichenblock hin, den mir Bea in die Hand gedrückt hatte, zusammen mit einem dunkelroten Stift, mit dem ich mich an dem sonnigen Sonntag-Mittag noch öfters selbst anmalen sollte. Gerne erfüllten mir die beiden sogar meinen Fotowunsch, und sie sollten nicht die letzten sein.
Nacheinander folgten die Spieler meines VfBs, meine Hand zitterte von Mal zu Mal mehr und von Spieler zu Spieler dachte ich mir dabei: “Jetzt noch der Gomez und du kippst hier auf der Stelle um!” – Bea meinte jedoch, das er meist als letzter vom Platz geht, so genoss ich jedes einzelne Autogramm, was die Seiten im Block gefüllt hat und jedes einzelne Foto, was auf der Speicherkarte meiner Kamera aufgezeichnet wurde.
Der Trainingsplatz wurde leer und die Spieler waren nun nach und nach im Gebäude verschwunden. Und wo war Mario? Das kanns ja jetzt nicht sein, das wäre ein echtes Highlight gewesen. Auch die Trainingskiebitze verließen nach und nach den Platz und warteten vorne an der Ausfahrt. Plötzlich erspähte ich einen großen, dunkelhaarigen und überaus attraktiven jungen Mann vorne an der Ausfahrt. Lange Zeit zum Überlegen blieb nicht, also nichts wie hingerannt. Dennoch kam ich leider zu spät.
Nichts destotrotz wurden mir fast alle Autogrammwünsche erfüllt und bei mir wird dieser Sonntag Mittag bis in alle Ewigkeiten im Gedächtnis haften bleiben. Nur schade, dass diese Saison schon bald vorbei ist und es nur noch ein Heimspiel geben wird. Am letzten Spieltag erwarten wir Bielefeld, dem Spiel kann ich aber leider nicht beiwohnen.
“Mehr Zeit, um etwas von Stuttgart zu sehen” hieß die klare Vorgabe bei der Planung des Kurztrips in den wilden Süden. Und an diesem Wochenende spielte das Wetter richtig gut mit, sensationelle 22 Grad im Schatten, einfach nur traumhaft. Ob Petrus wirklich ein Schwabe ist, wie Bea meint?
Der Tag find zeitig an – halb 5 Uhr, zur unchristlichsten Zeit, die man sich vorstellen kann, musste ich aufstehen, kurz vor 6 stand meine Mitfahrgelegenheit wie schon beim Spiel gegen Hamburg vor meiner Tür und holte mich ab – super Service! Am Bahnhof holten wir noch eine weitere Mitfahrerin ab und düsten schleunigst auf der Autobahn in Richtung Süden. Unterwegs feierte ich wieder eine Premiere: die ersten Butterbrezeln! Ich freute mich unglaublich auf das, was an diesem Tag auf mich wartete – noch nichts ahnend, dass an diesem Wochenende (fast) alle meine Wünsche erfüllt werden sollten, mehr als ich es hätte mir je träumen lassen.
Wer früh aufsteht, ist eher da – so waren wir bereits am späten Vormittag in Stuttgart am Hauptbahnhof, wo eine halbe Stunde später der Micha auftauchen wollte, um mich “einzusacken”. Den Hauptbahnhof kannte ich noch gut aus der Erfahrung, die ich das letzte Mal machte: “Tschuldigung, haben Sie zufällig noch ‘ne Stadionzeitung über?”. Noch war noch Zeit, also chillte ich noch draußen vor dem Bahnhof auf der Mauer und ließ die Sonne meine noch nicht vollends verbrannte Nase kitzeln.
Schlossplatz
Mit Micha gings dann wie geplant durch die Innenstadt zum Flanieren. Der erste Anlaufpunkt: der VfB-Fanshop in der City. Zweiter Anlaufpunkt: “Man, bin ich jetzt hungrig” – also gings erstmal was futtern. Ich wollte unbedingt an einem bisher so schönen Tag meine ersten schwäbischen Käsespätzle essen, was wir dann auch im “Calwer Eck-Bräu” taten. Superlecker hats übrigens auch noch geschmeckt! Mjamjam!
Unentwegt schien mir die Sonne auf den Nischl – welch unpoetische Formulierung, aber was solls. Wie Bea mir geraten hatte, habe ich Sonnencreme eingesteckt, für alle Fälle. Nur was nützt die, wenn man sie nicht aufträgt? Eben! Ich dachte schon gar nicht mehr daran, und ehe ich michs versah, brannte meine Nase schon ein wenig. Da ich aber vielmehr darauf fixiert war, sämtliche Eindrucke von Königsstraße, Schlossplatz und Schlossgarten mitzunehmen, war mir zunächst nicht klar, dass das böse enden sollte.
Schlossgarten
Nachdem ich schon viel gesehen und fotografiert hatte, gings auch schon in einer Wahnsinnsruhe zum Stadion, ohne Stress, ohne Zeitdruck. Dennoch waren die Menschenmassen, denen wir auf dem Weg dorthin begegnete, enorm. Kein Wunder, das Cannstatter Frühlingsfest lockte Tausende Fußballfans vor dem Spiel auf den Wasen, der direkt neben dem Stadion gelegen ist.
Nur einige Fotos habe ich mir vom letzten Frühlingsfest auf der Webseite der alljährlichen Veranstaltung angesehen, mit einer zarten Ahnung davon, was uns erwarten würde. So liefen wir 2 über den Wasen, und schnell wurde mir klar: “Holy Shit! Das ist ja 3-Mal so groß wie die Leipziger Kleinmesse!!!” – vielleicht ist der Name unseres Rummels auch genau aus diesem Grund so gewählt worden. Ohne etwas zu fahren trotteten wir langsam zum Stadion, wo wir noch ein wenig über den Fußballgott und die Welt plauderten.
Dann wurde es auch leider schon Zeit, Abschied zu nehmen, und der fällt bekanntermaßen immer am schwersten. Und an dieser Stelle endet Part I meines Stuttgart-Urlaubs, ab hier kann man den Artikel zum Spiel selbst weiterlesen…
Part II: Stuttgart nach dem Spiel
Problemlos fand ich nach dem Spiel meine Bea, die brav auf mich wartete. Erstes vorsichtiges Abtasten, denn wir 2 kannten uns bislang auch noch nicht persönlich. Gemeinsam ging es in einer stickigen und nicht klimatisierten aber dafür umso gefüllteren U-Bahn in Richtung Fellbach, wo ich mein Nachtquartier aufschlagen sollte.
Nach einem kleinen Abendessen war kaum Zeit zum langen Entspannen – es ging schon wieder los, auf zum Cannstatter Frühlingsfest. Nur bewaffnet mit dem Wichtigsten (was bei mir heißt: Kamera, Batterien, Speicherkarten…und das Übliche) ging es wieder in Windeseile zum Wasen, obwohl “Windeseile” wohl arg übertrieben ist – die U-Bahn blieb dauernd im Verkehr stecken, zu viele Sonderzüge wegen des Spiels und wegen des Wasens waren unterwegs.
Heilfroh, endlich angekommen zu sein, erfreute ich mich am Anblick des Frühlingsfestes bei Nacht, oder vielmehr am Abend, wenn überall kleine Lichter aufleuchten. Erste Station: ein 55 Meter hohes Kettenkarussell. Ich war mir sicher, schwindelfrei zu sein, aber ein bisschen flau im Magen wurde mir schon, als wir unten am Schalter auf den Einlass für die nächste Runde warteten. “Bea…du, mir is grade nicht so gut!” – “Solln wir wieder raus?” – “Ne, geht schon!” – wer jetzt beim Lesen denkt, ich hätte meine wunderbar köstlichen Käsespätzle vom Mittagessen über den Cannstatter Wasen verteilen müssen, der irrt: Alles war prima, kaum waren wir oben, wo es übrigens gezerrt hat wie Hechtsuppe (wie der Sachse so schön sagt), ging es mir schnell besser. Es war entweder die frische Luft oder Beas philosophische Ausschweifungen hoch über dem Wasen: “So fühlt sich Freiheit an!” – da war dann in diesem Augenblick egal, das wir an Ketten hingen.
Nach und nach probierten wir so einige Fahrgeschäfte aus, zelebrierten eine Kalorienorgie mit Schoko-Obst und zählten kontinuierlich die “Tussen” auf dem Wasen: hochhackige Schuhe, in Mini-Rock bei dem man keine Fantasie mehr braucht oder Dekoltees bis zum Bauchnabel fanden Platz in unserer Wertung der am schlimmsten angezogenen Püppchen.
Erinnerungen sind wichtig, also konnte ich nicht gehen ohne ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift “Grüße vom Cannstatter Frühlingsfest” – ein solches jedoch zu finden, stellte mich und Bea vor eine schwere Aufgabe. Fast den kompletten Wasen suchten wir danach. Kurz vorm Aufgeben, wie es mir schon manchmal erging (wie in Hamburg bei der Suche nach dem Teamgeist-Shirt), fanden wir dann eins. 3,50 Euro, das kann ich verschmerzen – wird ja nicht aufgefuttert sondern aufgehängt, in liebevoller Erinnerung an einen Teil des (fast) perfekten Wochenendes Anfang Mai 2008 in Stuttgart.
Das Riesenrad war unsere letzte Station des Festes, bevor wir wieder nach Hause fuhren. Oje, ich war noch nie zuvor Riesenrad gefahren – das wirkte sich wieder mit einem flauen Magengefühl aus, aber auch diesmal war alles kein Thema. Etwas komisch und ungewohnt, aber: ich lebe noch und kann in Ruhe diesen Bericht schreiben.
Danach gings nochmal kurz nach Fellbach und direkt danach wieder weiter: kurze Station auf dem Rotenberg (schreibt der sich so?), von wo aus man eine geile Sicht auf Stuttgart und den beleuchteten Wasen und das Stadion hat. Das meinte zumindest die Bea – und sie hat nicht zuviel versprochen. Meine Kamera war zwar bei der Entfernung sehr gefordert, aber alles kein Problem, wenn man eine Anständige Bildbearbeitung beherrscht.
Wieder daheim fiel auch ich dann endlich ins Bett und nickte auch gleich ein. Was für ein Tag! Nach dem Frühstück am nächsten Morgen gings zum Mannschaftstraining des VfB Stuttgart am Stadion, wo ich unbedingt hinwollte, seit mir Micha am Samstag Mittag das erzählt hat. Hierfür gibt es einen extra Bericht zum weiterlesen…
Blck über den Wasen – vom Riesenrad aus!
Part III: Fellbacher Maikäferfest & Heimfahrt
Na gut, es war kein Cannstatter Frühlingsfest, aber die Feierlichkeiten hatten nicht nur am Wasen und im Stadion Einzug gehalten, sondern auch in Fellbach bei Stuttgart, wo ein Straßenfest die Einwohner auf die Straßen lockte. Gemütlich schlenderten wir durch die Straßen, futterten zum Mittag eine Bratwurst, natürlich vom VfB Club-Zelt (was an für sch glaube ich wenig mit dem VfB zu tun hatte) und ließen uns weiter von der Sonne braten, der ich auch schon beim Mannschaftstraining am Mittag schutzlos ausgeliefert war. Die Stellen auf meiner Nase und den Wangenknochen nahmen zunehmend die Farbe der VfB-Auswärtstrikots an: knallrot! Aber den Rest sollte mir erst die Heimfahrt besorgen.
Ein Wochenende ganz ohne Zeitdruck, es ist fantastisch! Genug Zeit, um zum Hauptbahnhof zu fahren, wo mich meine Mitfahrgelegenheit einsammeln sollte. Und auch hier war das “Auf Wiedersehen”-Sagen alles andere als leicht. Die Mitfahrerinnen – Mädels on Tour! – waren nicht besonders geduldig und so musste ich schleunigst in den etwas älteren Mazda einsteigen, den einst auch mein Vater gefahren hat, zumindest ein solches Modell.
Als wäre mein Gesicht nicht ohnehin schon verbrannt genug gewesen, war es leider ein Auto ohne UV-Filter in den Fensterscheiben. Genaues möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen, aber als ich nach über 4 Stunden Autobahnfahrt endlich zu Hause ankam, hatte ich einen Sonnenbrand im Gesicht, der echt nicht mehr feierlich war.
Aber das war mir im Prinzip egal, ich hatte ein sooo fantastisches Wochenende, das es lange gedauert hat, um das zu realisieren. An diesem Wochenende passte alles – und tröstet letztenendes auch über die Tatsache hinweg, das das Mannschaftstraining nicht ohne kleinen Wermutstropfen zum weiteren Highlight wurde.
Einige Tage ist es nun schon her, alles in Worte zu fassen, ist schwierig, aber wenn ich mir ein Wort aussuchen müsste, um das Spiel zu beschreiben, würde ich dieses hier wählen: “Geil”. Eine eindrucksvolle Tor-Gala der roten Schwaben aus Stuttgart, man überrollte die Frankfurter Eintracht und am Ende stand ein 4:1-Heimsieg zu Buche. Und ich war mittendrin.
Ganz neu war es nicht – bereits Anfang des letzten Monats debütierte ich im Gottlieb-Daimler-Stadion beim 1:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV, bei denkbar schlechtem Ergebnis und nur wenig Zeit, mir die Stadt anzuschauen – gelinde gesagt gar keine Zeit. Das war diesmal anders, ich hatte genug Zeit, wurde durch die Innenstadt geführt und genoss die ersten Eindrücke, bevor es bei bestem Fußball-Wetter wieder ins Stadion ging.
Mannschaftsaufstellung
Ein Bekannter vom Internetforum tooor.de stellte mir seine Dauerkarte zur Verfügung und somit erlebte ich das Spiel im Block 37c – oder vielmehr: Cannstatter Kurve! Zwar noch relativ weit weg von A- und B-Block und dem “Commando Cannstatt”, den Ultras in der Cannstatter Kurve, aber zumindest näher dran als das letzte Mal (Gegenseite, auf der Untertürkheimer Kurve).
Als ich mich vorm Stadion von Micha, mit dem ich den Vormittag, bzw. Mittag verbrachte, verabschiedet hatte, gings auch schon ins Stadion. Wieder überwältigt von dem Anblick meines Stadions suchte ich nur kurz meinen Platz im Block 37c. Ich erwartete eigentlich, ein paar bekannte Gesichter zu sehen in der Reihe, leider war dem nicht so. Wahrscheinlich waren die, die normalerweise neben dem Bekannten sitzen, von dem ich die Dauerkarte hatte, woanders “wohnhaft”. Für mich spielte es aber keine Rolle, ich hatte ein gutes Bauchgefühl.
Mit halbem Ohr verfolgte ich die Grüße auf der Videowand, da ich ohnehin nicht damit rechnete, gegrüßt zu werden. Jonas hatte es mir bei meinem ersten Heimspiel vor einem Monat ja angekündigt, leider klappte es nicht. Auch diesmal wurde ich nicht gegrüßt – nicht weiter tragisch. Der Versuch, meine Bea in einem der ein paar Blöcke entfernten Cannstatter Kurve in der Nähe des B-Blocks zu erspähen, schlug natürlich fehl.
Toooor! Das ging aber schnell!
Dann wurde es auch Zeit für die Mannschaftsaufstellung – also schnell die Kamera eingeschalten und einfach mal draugehalten. Schon beim ersten Namen, der unseres Trainers Armin Veh, dachte ich mir: “Scheisse, wie geil ist das denn?” – Noch nie habe ich eine Mannschaftsaufstellung so laut vernommen wie in diesem sensationellen Augenblick. Meine eigene Lautstärke beim Mitbrüllen der Helden in Rot und Weiß passte ich selbstredend der meiner “Kollegen” an. Die Lautstärke kommt auf dem Video, welches ich dabei gemacht habe, nicht so stark wieder, aber ein Gänsehautgefühl war es allemal.
Während ich die ersten paar Spielminuten in der Cannstatter Kurve genoss ließ ich den Videomodus meiner Digitalkamera fleißig weiterlaufen – nicht zu Unrecht, denn nach wenigen Minuten zappelte der Ball bereits im gegnerischen Netz. Und getroffen hat der Spieler, den “wir” am Anfang der Saison als Spielmacher verpflichteten und dieser diese Position nur mäßig ausfüllen konnte: der kleine Türke Yildiray Bastürk, der von Hertha BSC Berlin kam. Erst 3 Minuten waren gespielt und schon das erste Tor! Es ging schonmal gut los.
Neben mir machte es sich ein junger Mann bequem, der Werder Bremens Diego recht ähnlich sah. Am Vormittag sagte mir Michael (ein anderer Micha) für das Spiel ab, da er arbeiten musste. Ein Kumpel würde seine Karte bekommen. Da ich aber sonst niemanden von der “Clique” entdecken konnte, wusste ich nicht, das es der Platz neben mir war. Eine spätere SMS an Michael brachte dann die Auflösung und man unterhielt sich ein wenig.
Torschütze: Yildiray Bastürk
Doch noch war ich für mich alleine, und doch feierte ich mit fast 55.000 Fans ein Spiel, in dem unsere Stuttgarter loslegten wie die Feuerwehr. Weitere 3 Minuten waren gespielt, da streckten sich schon wieder sämtliche Jubelfäuste in den traumhaft warmen Stuttgarter Sommerhimmel. Meine stillen Gebete wurden erhört, als ich die Kamera auf die Anzeigetafel richtete. Er hat wieder ein Tor gemacht, wie schon so oft in den letzten Monaten: Mario Gomez. Nationalspieler. Fußballer des Jahres. Deutscher Meister. Um das noch einmal zu betonen: Die Partie war noch nicht einmal 6 Minuten alt.
Mein Blick schwebte entzückt und berauscht über die Ränge und Tribünen des Gottlieb-Daimler-Stadions an jenem Samstag-Nachmittag. Besonders gern blick er in der Ecke der Cannstatter Kurve hängen, wo A- und B-Block sowie die Blöcke davor mit dem Commando Cannstatt für ordentlich Stimmung sorgten. Eines Tages, dessen bin ich mir sicher, möchte ich auch mal dort stehen und von den Capos angeheizt werden. Da wird sich eben nicht einfach wieder hingesetzt, wenn eine Torchance vorbei ist.
Keine 3 Minuten später…
Mein Gefühl sagte mir, dass das noch nicht alles war. Schon oft haben wir Führungen leichtfertig verspielt um dann am Ende entweder mit leeren Händen dazustehen oder die Fans mit einem dramatischen Schlussakt an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen. Und ich sollte Recht behalten – das war noch nicht alles.
10 Minuten später nach dem Tor von Mario hat sich bestimmt so mancher VfBler gedacht: “Schon 16 Minuten…schon lange kein Tor mehr geschossen?!” – in Folge dessen peitschte man die Mannschaft unaufhörlich mit “Auf gehts, Stuttgart, schieß ein Tooooor!” nach vorne, in der Hoffnung, es würde helfen. Und es half: in der 18. Minute traf erneut der kleine Türke Bastürk zum 3:0. Mit einer Mischung zwischen Beeindruckt, Ungläubig und Berauscht starrte ich schon nahezu lethargisch auf den Rasen, wo sich die Jubeltraube aus weiß-rot gekleideten Spielern formte, über die Ränge des Stadions, die spätestens jetzt das reinste Tollhaus waren und auf die Leute neben mir im Block, die sich jubelnd in den Armen lagen. “Wenn das hier ein Traum ist…lass mich bitte nie wieder aufwachen!”.
Torschütze: Mario Gomez!!!
Viel passierte bis zur Pause dann auch nicht, gelinde gesagt: Nichts passierte. Die Jungs legten in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr und verwalteten das Ergebnis vorerst bis zur Pause. Eine erste Überprüfung der bisher geschossenen Fotos und gedrehten Videos ließ mich über beide Ohren grinsen: alle 3 Tore hatte ich bereits auf Video. Zufrieden sank ich vorerst in die rote Sitzschale mit der Nummer 8 und ging für einen Moment in mich, bis jetzt war es einfach ein Super-Spiel.
Nachdem in der ersten Hälfte nach nur 3 Minuten das erste Tor durch Bastürk fiel, hätte ich eigentlich vorgewarnt sein müssen. Auf den allerletzten Drücker erwischte ich den Rec-Knopf an der Kamera und fing so das 4:0 durch Cacau ein, welches diesmal auf meiner Seite gefallen ist. Spätere Video-Analysen beweisen: Hätte ich nur mal genau aufgepasst. Ein echtes Traumtor unserer schwarzen Perle aus Brasilien.
Da wär ich gerne mittendrin!
Eine der imposantesten, nicht spielbezogenen Szenen war definitiv die Laola-Welle, welche mit mehreren Anläufen beim Commando Cannstatt gestarten wurde, über das hintere Drittel der Haupttribüne aber leider nicht hinweg kam. Nach etlichen Versuchen und unter zahlreichen Anpeitschungsversuchen schwappte die Welle dann endlich zur Untertürkheimer Kurve über – an für sich so, wie es sein sollte. Nicht ganz! Ich empfinde es als couragiert, aber unüblich, das der Gästeblock, der bereits 0:3 hinten liegt, die Laola-Welle mitmacht. Meinen größten Respekt in dieser Situation!
Weiterhin genoss ich ein gutes Spiel, welches der VfB beherrschte, auch wenn die Torraum-Szenen weniger wurden und die Schwaben einen Gang zurückschalteten und somit den Hessen mehr Ballbesitz ermöglichten. Beinahe logische Konsequenz: In der 63. Minute gelang es einem Frankfurter, den Ball an Keeper Schäfer vorbei ins Netz zu bringen, Amanatidis konnte mit dem Anschlusstreffer allerdings nicht mehr als Ergebniskosmetik betreiben.
Wieder der kleine Türke! Achja: das bin tatsächlich ich im Video: “Mama? 3:0!” – und vergaß in dem Moment, das die Kamera noch an ist!
Ein solches Ergebnis hatte ich nach dem 1:4 in München bei den Bayern wirklich nicht erwartet – ein traumhafter Tag wurde perfekt durch eine Tor-Gala, wie man sie sich schon so oft gewünscht hatte in dieser durchwachsenen Saison 2007/2008. Als der Schiri abpfiff, ging eine weitere Welle der Begeisterung durch das Stadion, es waren wieder 3 wichtige Punkte auf dem Weg zu den UEFA-Cup-Plätzen und auch die beste Antwort auf die schlechte Tordifferenz, die bei Punktgleichheit leider Magenschmerzen bereitet.
Der Zwischenstand aus Berlin (gegen Karlsruhe)
Wo er in Hamburg noch die reinste Erlösung gewesen ist, dachte ich mir bei ihm nun nur noch: “Was, schon vorbei?” – der Schlusspfiff! Ein paar letzte Fotos und ein abschließendes Panorama-Fotos des Stadions nahm ich noch mit, bevor ich die Treppenstufen zu einem der Ausgänge trottete. Erinnert an mein erstes Länderspiel in Hamburg, blickte ich mich noch einmal um und verließ das Stadion dann mit einem breiten Dauergrinsen. Viel Zeit blieb nicht, Bea wartete vorm Stadion bereits auf mich.
Endlich mal auf meiner Seite!
Endlich bot sich mir die Chance, dieses einmalige Mädel kennenzulernen. Unübersehbar mit ihrem weißen Glücksrock fand ich sie schnell an einer der kleineren Anzeigetafeln, die vorm Stadion angebracht waren. An dieser Stelle endet der Artikel zum Spiel, weiter gehts im 2. Abschnitt des Artikels zu meinem Stuttgart-Aufenthalt, der diesmal glücklicherweise umfangreicher ausfiel als das letzte Mal. Hier könnt ihr weiterlesen…
01.05.2008 um 13:10 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Es geht doch nichts über liebgewonnene Traditionen. Jeden Freitag Abend mit den Eltern zu Abend essen, jeden Samstag im Sportcafe verbringen… oder eben alle halben Jahre einen Bandabend mit Freunden und Bekannten erleben. Es geht nichts über Traditionen.
Jedes Jahr im April ruft mich der Saturday Night Bandstand nach Geithain, gut 50 Kilometer von hier entfernt und zusammen mit meiner Begleitung Hannes stellten wir sogar einen neuen Rekord auf: trotz teilweise Schneckentempos waren wir bereits in einer halben Stunde da – das muss erstmal einer nachmachen!
20 Uhr sollte ich da sein, 19 Uhr aufzubrechen, reichte daher völlig. Zeit genug, noch den Bundesliga-Samstag in meinem Stammcafe zu schauen, auch eine der liebgewonnenen Traditionen – und das, obwohl der VfB Stuttgart erst am nächsten Tag spielen sollte (was sich im Nachhinein als gut herausstellen sollte).
Alle halben Jahre geht es nach Geithain, und jedes Mal stehe ich auf der Gästeliste und werde gleich durchgewunken. Ein angenehmer Vorteil, den ich mir immer wieder erneut damit verdiene, dass ich viele tolle Fotos am Abend mache, und auch diesmal war ich bepackt mit dem gesamten Reservoir an Batteriesätzen und alle Speicherkarten, die ich habe. Dass ich an dem Abend “nur” 200 Fotos mache und weit davon entfernt bin, alle verfügbaren Speicherkarten auszureizen, wusste ich zu dem zeitpunkt nicht.
“Vergiss dein Ray-Allen-Shirt nicht!” schrieb ich am frühen morgen noch eine SMS an meine Julia, besagtes Shirt, welches auch ich habe, sind 2 Einzelanfertigungen. Zu meiner Enttäuschung trug sie ihr Shirt leider nicht, aber die Trauer war schnell verflogen, die Welt hatte uns 2 schließlich wieder.
Die erste Runde ging einmal quer durchs Geithainer Bürgerhaus, da wurde erstmal alles geherzt und umarmt, was ein halbwegs bekanntes Gesicht war. Alle waren da: Frankie, Matt, Gerd, Mike, Danny, Andrea, Eddie, Torsten, Carina, ein gut geformter Bekanntenkreis von Musikern und deren Anhang.
Nachdem wir erst einmal was leckeres gefuttert hatten, ließ der erste Gig nicht lange auf sich warten, 4 Bands sollten – wie es beim Bandstand und auch beim jährlichen Country Bop üblich ist – an diesem Abend spielen, den Anfang machte ein überaus nervös wirkender 19-jähriger junger Mann, der optisch erstaunlich an einen jungen Elvis Presley erinnerte: dunkle Haare zur Tolle gekämmt, ein bis zur Brust geöffnetes weißes Hemd und eine schwarze Weste darüber. Ich muss sagen, durchaus kein übler Anblick.
Trotz seiner anfänglichen Nervosität machte er seine Sache prima und bekam auch zurecht für seinen ersten Auftritt viel Applaus und die eine oder andere stehende Ovation. 2 weitere Bands folgten und heizten dem zahlreich erschienenen Publikum ordentlich ein, die Tanzfläche war gut besucht und ich habe wieder einmal schmerzlich feststellen müssen: auf Dauer scheint es wirklich hinderlich, nicht tanzen zu können.
Hin und wieder gings die Treppen hinaus zu Heiko und Doreen, die auch wieder dabei waren und deren Stammplatz oben auf der Empore ist – im Rahmen unserer akustischen Möglichkeiten unterhielt man sich, wie man die Musik findet, wen man an dem Abend schon gesehen hat, wer diesmal nicht mit dabei ist, und – mittlerweile von großem Interesse – in welches Stadion es mich als nächstes ziehen wird: “Nächstes Wochenende gehts wieder nach Stuttgart, Heimspiel gegen Frankfurt”, wie auch der Kanone geschossen.
Die letzten sehr anstrengenden Wochen auf Arbeit forderten schnell ihren Tribut und so war ich recht schnell erschöpft, und es war gerade mal kurz vor Mitternacht. Mein persönlicher Hauptact, wegen dem ich eigentlich nach Geithain gekommen bin, ließ allerdings noch bis nach Mitternacht auf sich warten. Die Minuten verstrichen, die Beine wurden sichtlich schwer, doch als Ray Allen mit seiner Band, den Hi-Fi’s die Bühne betrat, war die Begeisterung bei allen sehr groß.
Der Auftritt gefiel mir wie eigentlich jedes Mal, klasse Musik, die ich mittlerweile mitsingen kann, nur die Sache mit dem Tanzen war dann doch etwas ärgerlich. Sei es drum, es war wieder ein prima Auftritt. Für Taubheit auf dem linken Ohr sorgte wieder einmal, welch weitere hübsche Tradition, meine Julia, der als Applaus das Klatschen nicht reicht, nein, sie muss mir jedes Mal ins Ohr brüllen. Ich habe in soweit daraus gelernt, das ich mich bei jedem Auftritt auf die andere Seite von Julia stelle, so kann sie wenigstens für ausgeglichene Gehörlosigkeit meiner Wenigkeit sorgen.
Ihr permanentes Gerufe und Gebrülle würde früher oder später ihren Tribut fordern, und auch dieses Mal sollte ich Recht behalten. Matt, bzw. Ray Allen – wir befanden uns schon in der Zugabe-Phase – stand am Mikro und sein Blick ging unverkennbar in unsere Richtung. “Na Julia, wenn du so schön rufen und schreien kannst, kannst du auch hochkommen und was für uns singen” – nichts passiert. Sein darauffolgender Blick zu Frankie, Julias Ehemann und das darauffolgende “Komm Frankie, ist deine. Mach mal was!” geriet zu einem riesen Lacher bei unserer “Musiker-Clique” und deren Anhang.
Wie es mein Herz erfreut, wenn ich meine Julia singen höre und sehe, eine Wahnsinns-Stimme die mich jedes Mal aufs Neue verzückt. Als auch sie mit ihrer Zugabe fertig war, standen Hannes, meiner freundlichen Begleitung, noch so einige Schweißperlen auf der Stirn. Er nahm neulich nämlich Gitarrenunterricht bei Ray Allen höchstpersönlich und als der Abend begann, meinte Ray zu Hannes, er würde ihn dann bei der Zugabe auf die Bühne holen. Die personifizierte Gelassenheit sieht anders aus, hehe. Er war dann allerdings sichtlich erleichtert, als die Musik von der Platte wieder angeschalten wurde, die Scheinwerfer auf der Bühne ausgingen und die Tontechniker anfingen, beim Abbau der Bühne mitzuhelfen.
So schön der Abend auch war, die Freude über das nahende Ende jener Nacht war dennoch nicht gerade klein – erschöpft von einem langen Tag auf den Beinen, permanentes Rumgestehe in der ersten Reihe vor der Bühne sowie einem zusätzlichen Kräfteverzehr auf Arbeit war ich froh, wieder nach Hause fahren zu können.
Und so verabschiedete man sich von allen, die man in der kollektiven Aufbruchsstimmung noch finden konnte und verließ das Bürgerhaus wieder, jedenfalls für das nächste halbe Jahr. Wieder frische Luft zu schnappen tat sehr gut, sich von vielen Freunden und Bekannten verabschieden zu müssen, wiederrum nicht. Spätestens in einem halben Jahr werde ich wieder dort sein, denn der 3. Country Bop steht an und wirft bereits schon lange vorher seine Schatten voraus.
Und wieder einige Erkenntnisse: wie lange werde ich mich noch ärgern, nicht tanzen zu können, anstatt die Initiative zu ergreifen? Und wird aus jener halbjährlichen Tradition auch im Oktober wieder eine emotionale Herausforderung? Man darf gespannt sein.