30.11.2007 um 21:02 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Lange Zeit hat sie mich begleitet, die blöde Angewohnheit, meine Fingernägel abzuknabbern. 6 Jahre meines Lebens verbrachte ich damit, mich dem Entstellen meiner Hände hinzugeben. Mehrere Anläufe brachten am Ende nichts Brauchbares ein, immer wieder hatte ich Rückfälle.
Da hilft nur eines: KALTER ENTZUG!
Seit dem 20. September 2007, seit 70 Tagen (10 Wochen x je 7 Tage) führe ich eine Strichliste, jeden Tag, den ich meine Fingernägel habe wachsen lassen, durfte ich dem Zettel einen weiteren Strich hinzufügen, ein herrliches Gefühl.
Mittlerweile seit über 2 Monaten bin ich “clean”, bisher keine Rückfälle und auch die Biotin-Tabletten für starke Fingernägel fördern das Wachstum. Einziger Nachteil: Als bekennende, wenn auch nicht absichtliche, Selbstverstümmlerin entdecke ich schon den einen oder anderen Morgen einen langen schmerzhaften Kratzer an mir. Sei es drum, ich habe von heute auf morgen aufgehört. Ohne eklig schmeckenden Nagellack, ohne Handschuhe und ohne künstliche Fingernägel.
Ich werde in den nächsten 4 Monaten weiterhin Strichliste führen, wenn ich es ein halbes Jahr ohne Knabbern, Knaubeln und Beißen ausgehalten habe, erkläre ich mich selbst für geheilt und knabberfrei!
Mit Ruhm haben sie sich nicht gerade bekleckert, die Jungs der deutschen Nationalmannschaft beim letzten EM-Qualifikationspiel gegen Wales. Neulich sicherte uns ein 0:0 gegen Irland das EM-Ticket, am vergangenen Mittwoch bildete das 0:0 ein leider etwas unschönes Ende eines wahnsinnig tollen Jahres, das wir denen zu verdanken haben.
Das Spiel in der Zusammenfassung
Drehen wir die Uhren mal 2 Jahre zurück. Während sich viele Länder um eine erfolgreiche WM-Qualifikation bemühten, trainierten unsere Jungs ganz in Ruhe, denn als Gastgeber ist man von einer Qualifikationsrunde freigestellt. Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte das eine oder andere Mal seine Mühen, seine manchmal unorthodoxen Trainingsmethoden durchzusetzen. Die Jungs steigerten sich aber rein, wurden jedoch durch eine bittere Niederlage in einem Testspiel gegen Italien vorgeführt – “Und die wollen Weltmeister werden?”.
Der Sommer 2006 ist uns allen noch sehr wohl in schöner Erinnerung. Die Jungs eroberten die Herzen im Sturm, auch diese der Nicht-Fans, wie ich es damals noch war. Die WM 2006 bescherte uns ein ausgelassenes und fröhliches Land im Ausnahmezustand, kaum einer hätte gedacht, das dies nach der WM weitergehen sollte. Die ersten Qualifikationsspiele wurden erfolgreich bestritten, viele Neuzugänge erhielten ihre Chance und nutzten diese auch.
Gute anderthalb Jahre nach Ende der berauschenden WM stehen wir an einem Punkt, an dem wir getrost sagen können: DAS haben wir gut gemacht. Nur 2 Unentschieden gegen Zypern und Irland, 2 Niederlagen gegen Dänemark (Testspiel) und Tschechien, alles andere wurde mit meist attraktivem Fußball gewonnen. Wir sind viel mehr als nur der “Weltmeister de Herzen”.
Nicht alles lief besonders berauschend, als Schlusspunkt eines unterm Strich überaus erfolgreichen Jahres der EM-Qualifikation wollten die Jungs nochmal richtig Gas geben. Kapitän des letzten Spiels gegen Zypern, Miroslav Klose, kündigte in der Presse ein Schützenfest an, nachdem man im Rückspiel gegen Zypern richtiges Balett gemacht hat. Leider lief das nicht so wirklich optimal.
Gegen die sehr zweikampfstarken Waliser mit guter Abwehr fand der Ball leider nicht den Weg ins Tor der Gäste. Es mangelte nicht an Chancen, aber die Verwertung lässt zu wünschen übrig. Das tolle Jahr 2007 sollte mit einem großen Paukenschlag enden – wenn man so will, wäre es besser gewesen, das Spiel gegen Zypern wäre das letzte Spiel des Jahres gewesen.
Nach dem Abpfiff hielten die Spieler ein großes Banner mit der Aufschrift “Danke Fans – mit euch zur Euro 2008!” vor sich und liefen damit übers Spielfeld. Damit stießen sie allerdings auf wenig Gegenliebe, ernteten statt dem unterm Strich verdienten Applaus für ein traumhaftes Jahr nur Pfiffe und Buhrufe.
Unbehaglich wurde mir dabei, denn ich selbst hatte in München “Buh!” gerufen, dabei macht man das doch als Fan nicht. Aber bei einem unterirdisch schlechten 0:3 zu pfeiffen ist auch ein bisschen etwas anderes als bei einem unglücklichen, aber vertretbaren 0:0, im Arbeitszeugnis hätte “sie haben sich stets bemüht” gestanden hätte. Aber Hand aufs Herz, das Publikum, mich eingeschlossen, sind erfolgsverwöhnt, auch ich saß vorm Fernseher bei meinen Eltern und war ziemlich genervt.
Mit Ruhm haben sie sich wie gesagt nicht bekleckert, aber ein Auspfeiffen hat diese Mannschaft beim letzten Spiel des Jahres nun wirklich nicht verdient. Doch gerade jetzt werden Stimmen lauter, diese Niederlage und die gegen Tschechen wäre nicht ganz unbeabsichtigt gewesen, was ich jedoch nicht glauben kann, ich vertraue auf Jogis aussage, das dies keine Absicht war.
Hätten wir in München gewonnen, hätten wir die Tschechen, die derzeit punktgleich waren, in der Tabelle abgehängt. Wir verloren aber und sollten unsere Chance, die Tabellenspitze zurück zu erobern, in Hannover und Frankfurt nutzen, in der Hoffnung, die Tschechen würden die nächsten Spiele verlieren. Aber die siegten, während wir im letzten Spiel des Jahres 2 Punkte liegen lassen. Vorbei wars dann mit der Tabellenführung. Das stand schon am Nachmittag vorm Spiel fest, man wage zu behaupten, die Jungs hätten das gewusst und neigten auch wie offensichtlich in München schon dazu, nicht 100% zu geben, wenn man sein Soll bereits erreicht hat.
Weitere Anmerkung: Hätten wir gegen Wales gewonnen, wären wir mit in den sogenannten “Topf 1″ gekommen, in dem die” schwersten” Qualifikationsgegner sind. Ich setze das in Anführungszeichen, weil sich dort neben Griechenland (amtierender Europameister) und unserem Lieblingsgegner Holland auch Österreich und die Schweiz befinden, nicht wirklich ernst zu nehmende Gegner. Somit füllen die Tschechen den “Fiesen Topf” auf und wir landen in Topf 3 zusammen mit Rumänien, Portugal und Spanien. Eine machbare Aufgabe. Kleiner Schmunzler am Rande: Gegen Rumänien und Portugal spielten wir bereits schon jeweils einmal in meiner Zeit als Deutschland-Fan (seit der WM wäre das) – beide schickten wir mit jeweils 3:1 nach Hause.
Ich wage es zu bezweifeln, das es Absicht vom Bundestrainer Jogi Löw war, bestimmte Spiele zu verlieren, um den schweren ersten Lostopf zu umgehen und eine leichtere Gruppe zu haben. Man darf gespannt sein, erst zur Auslosung am 2. Dezember und definitiv dann zur Europameisterschaft 2008 im Juni werden wir mehr wissen.
Es war ein tolles Jahr mit vielen berauschenden Momenten. Sie haben nicht immer Vollgas gegeben, was ihnen aber angesichts der meist steten guten Leistung verziehen sein mag, sofern sie sich bis zur EM nochmal steigern, was sie ja schon merklich seit der WM getan haben. Schade ist, das das Jahr mit Pfiffen zu Ende geht, aber auch wenn das 0:0 nicht das ist, was ich erhofft hatte, so bin ich dann doch mächtig stolz auf diese illustre Truppe.
Die besten Entscheidungen des Lebens sind diejenigen, die man aus Liebe trifft. Dabei kann einem aber leider keiner sagen, ob alles gut gehen wird.
Ich habs getan!
Du kannst 450 Kilometer mit 3 Monaten vorheriger Planung hinter dich bringen und mit einem 0:3 die lange quälende Heimreise antreten, doch du kannst auch Wochen damit zubringen, dich aus Vernunftsgründen zu weigern, zu einem Spiel zu fahren und dann fährst du doch spontan – und fährst mit einem Sieg von 4:0 glücklich wieder nach Hause. Keiner kann dir das vorher sagen.
AWD-Arena Hannover
Dementsprechend groß ist die Freude über die letztendlich richtig getroffene Entscheidung, nach Hannover zum Spiel Deutschland gegen Zypern zu fahren, welches am vergangenen Samstag stattfand.
Eigentlich wollte ich ja gar nicht nach Hannover fahren. Ich hatte es ursprünglich vor, bis ein Forenbekannter von meinem Fußballforum tooor.de mich darauf aufmerksam machte, das das Spiel in München wohl besser wird, stimmungstechnisch und wichtiger für unsere Qualifikation würde es auch sein. Also fuhr ich nach München, erlebte dort schöne Tage, habe viel gesehen, darunter auch ein schlechtes Spiel. Ich hab das mittlerweile unter “Passiert ist passiert” abgehakt. Nach Hannover wollte ich demnach nicht, 3 Länderspiele 2007 sollten reichen, ich hatte mir ja eigentlich nur eines gewünscht.
Die Mannschaftsaufstellung
Die Tage vor dem Spiel wurden jedoch zur Qual, denn in mir keimte dann doch langsam der Wunsch, das Spiel nun doch zu sehen. Grund dafür war nicht etwa der “attraktive Gegner” Zypern, die “tropischen Temperaturen” von etwa um den Nullpunkt, sondern eher die Teilnehmerliste des Tooor-Fantreffens, auf der viele bereits bekannte Leute standen, die ich schon auf Köln und/oder München kannte.
Diesmal nicht mittendrin: die Choreographie
Da war es natürlich sehr praktisch, das Sabine, eine mittlerweile gute Forenbekannte aus München (war mit ihr in Köln aufm Dom und habe in München eine Nacht bei ihr genächtigt) mir eine Karte anbieten konnte für den Brecherpreis von 24 Euro. Die Mitfahrgelegenheit organisierte ich mir ebenfalls kurzfristig bei einem Forenbekannten, der in Leipzig studiert. So stand es knappe 2 Tage vorher fest: Ich fahre nach Hannover.
Als es am frühen Samstag Nachmittag mit dem Auto losging, wollte ich noch nicht wirklich glauben, das ich das tatsächlich mache. Doch was tut man nicht alles für die eigene Mannschaft, das Wir-Gefühl im Stadion und die netten Leute vom Fantreffen.
Fahnenkinder
In knappen 3 Stunden waren wir auch schon da, Hannover ist ja “nur” 260 Kilometer entfernt, relativ nah im Vergleich zu Hamburg (400 km), München (450 km) und Köln (500 km). Das Wetter war trüb und die Sonne wollte sich partout nicht zeigen. Egal, sei es drum. In einen Stau gerieten wir auch nicht, so kamen wir dann etwa 17 Uhr in Hannover an und gingen gleich zum Treffpunkt, dem schon jetzt prall gefüllten Brauhaus Ernst August. Dort traf ich auch schon die ersten bekannten Gesichter, unter anderem Frank, den ich unbedingt überraschen wollte und sogar angeflunkert hab, in dem ich noch einen Tag vorher sagte, ich komme auf keinem Fall. Sorry Frank für die Schwindelei!
Das Fantreffen war wie schon in Köln und München richtig super, wie gesagt viele bekannte Gesichter, aber weit über die Hälfte kannte ich dann eben noch nicht. Das Fotografieren gestaltete sich schwierig, denn mein Respekt vor den vielen “fremden Leuten” war dann größer als der Wunsch, später mit vielen Fantreffen-Fotos wieder heim zu fahren. Ein anderer Forenbekannter, der nicht mit dabei war, sagte mir später folgendes, was auch zutrifft: “Selbst fotografiert werden will wohl niemand, aber die, die nicht dabei waren, brüllen als erstes nach Fotos”. Recht hat er. Sabine schaffte es nach ihrer Hannover-Weihnachts-Shoppping-Tour dann auch noch zum Treffen, wenn auch nur kurz.
Deutsche Nationalhymne
Die Stimmung im Brauhaus war schon sehr gut, überall lächelnde Menschen, sowohl Männlein als auch Weiblein, alle guter Hoffnung für den heutigen Abend. Nebenbei lief Fußball im Fernsehen und auf der Leinwand, wir alle waren gespannt auf das Spiel Schottland gegen England. Würden die Schotten gewinnen, müssten wir bei der EM nicht mit den unangenehmen Italienern spielen, es war sozusagen ein Schicksalsspiel – nur wer gewinnt, ist dabei. Bei der Hymne der Italiener hallten gellende Pfiffe und Buuuh-Rufe durchs Brauhaus Ernst August. Ich sehe schon, den 4. Juli 2006 hat niemand vergessen.
Viel zeit blieb nicht fürs Fantreffen, Sabine wollte rechtzeitig am Stadion sein, um das Aufwärmen der Mannschaft mit anzusehen. So zwängten wir uns in eine schon relativ volle U-Bahn. Es war nicht einmal Platz zum Festhalten, was eigentlich nicht schlimm war, denn die Bahn war so voll, das man zumindet nicht umkippen konnte. Ich war trotzdem froh, als wir wieder aussteigen konnten und ich mal wieder frische Luft schnuppern konnte.
Ganz nah dran in Reihe 2!
Wenn ich mich an Hamburg und München erinnere, war der Weg von der Bahnhaltestelle bis zum Stadion spürbar ewig. In Köln quartierten wir uns ja bereits direkt am Stadion ein, und auch dieses Mal in Hannover war der Weg mit ein paar Minuten zu Fuß noch recht kurz. So kamen wir schnell zum Stadion, relativ zügig durch die Kontrollen und schon waren wir im Stadion.
Ein geiles Tor der verschwommenen Art
Diesmal leider keine Choreographie – schade, das brach mir beinahe das Herz. Was mich auf der entgegengesetzten Kurve erwarten würde? Ich war gespannt. Reihe 2 stand auf meinem Ticket drauf, demnach wahnsinnig nah am Spielfeldrand – interessante Sache, ich würde kaum etwas erkennen, soviel war klar.
Und wer wars? Clemens Fritz!
Es war kalt, eiskalt. Ich entschied mich aber vor Reiseantritt doch dazu, das Trikot unten drunter anzuziehen anstatt 4 Lagen Pullover und das Trikot drüber – was gelinde gesagt beschissen aussah. So saß ich mit Sabine in meinem dicken Mantel eingemummelt in Reihe 2 des Blocks S3, auf der anderen Seite der Kurve (aber immernoch auf der selben Tribüne) fand man die Zyprer. Und nein, es heißt wirklich nicht (mehr) „Zyprioten“ – das war einmal.
Zum ersten Mal konnte ich sehen, wie toll das aussieht, wenn sich die Choreographie aufbaut und wie überall die Blitzlichter auf den Rängen aufflammen. Eine schöne Choreographie wars, wenn auch bei weitem nicht so schön wie die in München. Von weitem konnte ich sehen, wie die Papierfetzen von den Rängen und Reihen flogen. Hinterher habe ich im Forum gelesen, dabei sollen von den Ordnern angeblich ein paar Leute wegen “Papier schmeißens” rausgezogen worden sein. Sachen gibt’s.
Und schon wieder klingelts!
Die Hymne kam, ich sang wieder voller Inbrunst mit, die Kamera hoch in die kalte Hannover-Abendluft gehalten. Durchschnittliches Lautstärkeempfinden in der AWD Arena meines Erachtens nach, dennoch kam es im Fernsehen wahnsinnig leise rüber. Das Spiel begann und was machen die Leute um mich herum? Sie setzten sich wieder hin.
Ich glaubte das einfach nicht. Aber okay, es war eben keine Singing Area, so setzte ich mich widerwillig auch wieder hin, fummelte aber bereits mit meiner Kamera herum, noch hatte sie nicht die richtige Scharfstellung – was in dem Moment aber eigentlich egal war, denn kaum hatte ich die Kamera eingeschalten, jubelte schon die ganze Nordtribüne und mit klitzekleiner Verzögerung jubelte dann auch die Südtribüne. Alles war unscharf, aber ich hatte das Tor drauf. Unbezahlbar.
Diesmal wars der Miro!
Schon bald schwappte die Laola-Welle durchs Stadion und dieses eine Mal saß ich genau dort, wo sie gestartet wurden. Die zugegeben unfähigen Trommler des DFB-Fanclubs engagierten sich zwar, aber für meinen geschmack zu sehr, denn wer möchte alle paar Minuten eine Laola-Welle machen? Ich mag Laola-Wellen, aber das war auch mir zu viel. Aber die machten weiter, bis zum Ende des Spiels, während Sabine rechts neben mir immer aggressiver wurde, und sie kenne ich ja nun wirklich als die Ruhe in Person.
Lange dauerte es nicht nach dem ersten Tor von Clemens Fritz durch eine Vorlage von Poldi nach nur 75 Sekunden, in der 20. Minute buchsierte Miroslav Klose den Ball nach einer tollen Kombination über Poldi, Philipp Lahm, Mario Gomez und Clemens Fritz ins Tor. Noch wollte ich nichts beschreien, aber das sah nach einer klaren Sache aus. Beide Tore fielen auf der entgegengesetzten Seite des Stadions und selbst verständlich hoffe ich, das ich in der 2. Halbzeit auf meiner Seite auch noch das eine oder andere Tor sehen würde.
Da kommt die Laola-Welle!
Die Halbzeitpause ging schnell vorbei, ich plauschte derweil kurz mit 2 Forenbekannten, die ich Mitte der 1. Halbzeit einige Reihen hinter mir erspäht habe, und machte ein paar Fotos. Dann stieg ich auch schon wieder hinunter über die Sitzreihen, in der Hoffnung, nicht auf die Fresse zu fliegen und mir sämtliche Knochen zu brechen.
Ich wünschte mir noch ein Tor auf meiner Seite, und ich sollte auch nicht enttäuscht werden. Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff klingelte es erneut im Kasten der Zyprer, und das haben wir dem besten Mann des Abends zu verdanken: Lukas “Poldi” Podolski, der an dem ganzen Abend abging wie ein Schnitzel. Eine neue Position (linkes Mittelfeld statt Sturm), neue Leistungsoffenbarungen und neues Selbstvertrauen. Ich hielt die ganze Zeit die Kamera drauf, freute mich tierisch, ich hätte alles drauf. Dann die Ernüchterung: Ich hatte wohl den Aufnahmeknopf nicht ganz erwischt, so nützte es mir gar nix, das ich draufgehalten hatte, denn es war NICHTS drauf. Tierisch schade. Aber ich habs mit eignen Augen gesehen, was ja wohl das wichtigste war.
Da is aber jemand happy!
Die AWD-Arena Hannover wurde zum Tollhaus, auch das relativ ernüchternde Sitzpublikum der Südtribüne war bester Laune – nun, von den zyprischen Fans mal abgesehen, die glücklicherweise weit genug weg von mir saßen. Clemens Fritz, Miroslav Klose und Lukas Podolski selbst hatten getroffen – selbstverständlich wünschte ich mir zum Anschluss eines tollen Spiels noch ein Tor von Mario Gomez. Das ich ihm besonders zugetan bin, ist ja kein Geheimnis mehr.
Nur noch ein paar Minuten, dann ist der Abend perfekt, aber noch war noch ein bisschen Zeit, es konnte ja durchaus noch etwas passieren. Dass ich manchmal bestimmte Vorahnungen habe und meine Kamera in den letzten Spielen jedes Mal rechtzeitig aufs Tor gehalten habe, ist mir ja ebenfalls bewusst. Doch ich weiß es vorher natürlich nicht genau. So dachte ich mir dann nur „Bitte mach ihn rein!“ als Poldi mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit sich gegen 2 Zyprer im Sechzehner behauptete und die Pille quer ins Feld schlug. Da stand goldrichtig Thomas Hitzslperger, der nur noch die Pille einzuschieben brauchte. Mein lautes “Jaaaaaaaa!!!”-Gekreische war das letzte, was das Video aufzeichnete, bevor die Speicherkarte voll war.
Aaaaaaah, Ooooooooh!
Alles kein Problem, als Vielfotografiererin habe ich stets viel Extrasaft und Speicher mit dabei, einfach die neue Speicherkarte rein und weiter geht’s. Es war die 84. Minute, ich hatte 4 Tore gesehen, sehr viel mehr als ich erwartet hatte, nachdem wir uns im Hinspiel vor einem Jahr im zyprischen Nikosia merklich schwer getan hatten. Die letzten Minuten vergingen ereignislos, leider kein Tor von Mario, aber trotzdem so glücklich und hochzufrieden, das ich die Misere von München bereits vergessen hatte. Die Jungs haben hervorragende Wiedergutmachung geleistet.
Nach dem Abpfiff blieben wir noch ein wenig sitzen, um die meisten Menschenmassen aus dem Stadion rauszulassen. Während wir noch warteten, wurde die Ansage gemacht, wie denn Schottland gegen England gespielt hat. Während es beim Fantreffen noch 1:1 stand, als wir aufbrechen mussten, hatte Italien nun doch gewonnen, wenige Sekunden vor Schluss. Ein kollektives Raunen ging durch die Massen. Das Stadion leerte sich zügig, es war wahnsinnig kalt und die Leute wollten schnell nach Hause. Diesmal dachte ich sogar noch rechtzeitig daran, mich im Stadion fotografieren zu lassen und da Sabine nicht mit aufs Bild wollte, hatte sie die Aufgabe mich zu knipsen: mit der AWD-Arena im Hintergrund, dick eingepackt in meinen Mantel und zufrieden den Tooor-Schal hochhaltend.
Das gibts ja nicht! Hitzlsperger mit dem 4:0!
Dann gings auch schon wieder zurück, in die überfüllte U-Bahn zurück zum Brauhaus, wo mich Forenbekannter Marc, mein Fahrer, abholen wollte. Dort übergab ich Sabine erst einmal die 25 Euro für das Ticket und wir warteten noch ein paar Minuten auf meinen Fahrer, der sich dann auch bald einfand.
Ich verabschiedete mich von meiner heutigen Stadionbegleiterin und ging mit Marc zurück zum Auto, das uns erneut in knapp 3 Stunden nach Leipzig zurückbrachte. Entspannt kuschelte ich mich in den Autositz, rollte meinen schönen neuen Tooor-Schal (ein Forenbekannter organisierte 100 Stück für je 7, 50 Euro) als Kissen zusammen und schaute in die Nacht hinaus.
Niemand kann dir sagen, ob es gut gehen wird. Diesmal ging alles gut, ich war froh über meine Entscheidung, doch noch live dabei zu sein. Ich hätte ebenso zu Hause sitzen können und mich ärgern können, das ich nicht dabei war.
Ein wirklich erfolgreicher Jahresabschluss für meine Stadiontour 2007. Was ich dieses Jahr alles erlebt habe, lasse ich demnächst noch einmal kurz Revue passieren.
11.11.2007 um 17:25 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Und ich dachte, geiler als die WM 2006 auf Leipzigs Straßen zu erleben, könnte es nicht werden. Die 2. Jahreshälfte 2007 hat mir gezeigt, es geht noch besser. Und das nächste Jahr mache ich zu meinem Traumprojekt 2008. Mein Plan sieht nicht nur die EM 2008 in Österreich und der Schweiz vor, sondern auch einige Heim- und Auswärtsspiele des VfB Stuttgarts sowie noch einige Länderspiele.
Das erfordert alles eine durchdachte Finanzierung. Wer große Träume leben will, braucht auch ein bisschen Kohle dafür, soviel ist sicher. Seit Herbst 2006 spare ich Geld für Fußballspiele, seit dem Moment, wo mir klar wurde, dass “Heimspiel 2007″ ein Muss ist. Der Traum hat sich erfüllt, sogar 3-fach. Nun werfen größere Ereignisse ihre Schatten voraus.
Das Vorzeitige Checken meines EM-Spardosen-Inhalts ergab folgende Summe: 265 Euro. Das ist doch schonmal was. Ich spare fast jeden Penny, der übrig bleibt und den ich nicht unbedingt benötige. Die Wunschliste für Weihnachten enthält nur einen Punkt: “Geld, um zur EM und zu den andren Spielen zu fahren”.
Bleibt abzuwarten, ob das Geld über die EM hinaus auch für die anderen Spiele reichen wird. Fest steht, das mein Fußballprogramm fürs nächste Jahr formatfüllend sein wird. Was tut man nicht alles für eine große Leidenschaft.
04.11.2007 um 21:57 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Nachdem mir gestern der Browser samt ungespeichertem Bericht zur Stadionführung abgeschmiert ist und ich rein gar nichts dagegen tun konnte, setze ich mich hiermit noch einmal dran.
Recht zeitig stand fest, das eine Stadionführung Bestandteil meines 4-tägigen Kurzurlaubs in München sein sollte. Bevor ich am Freitag Nachmittag die Reise zurück nach Hause antreten wollte, ging es erneut zurück in die Allianz Arena, wo die Deutsche Nationalmannschaft 2 Tage zuvor mit 0:3 unterlag, dennoch wollte ich darauf nicht verzichten.
Bevor es losging mit der Führung, die 10 Mäuse gekostet hat, frönte ich wieder meiner Merchandising-Leidenschaft: ein Schlüsselanhänger für meinen auch so noch nicht prall gefüllten Schlüsselbund. Die Minuten vergingen nur mühsam, ich hatte die Führung wie im Internet geschrieben für 13 Uhr erwartet, so verging noch eine weitere halbe Stunde, da ich offenbar ein kleines bisschen zu spät dran war – ich hatte Glück, das sich das “nur” um eine halbe Stunde verschiebt, denn sehr viel mehr Zeitpuffer hätte ich nicht gehabt.
Endlich gings los mit der Führung, die mich ins tiefste Innere der Allianz Arena führte. Es ging los über das Treppenhaus in den obersten Rang, wo uns etwas über die Beschallung, die Hexenkessel-Atmosphäre, die wir mit dem Brüllen eines lauten “Toooor” selbst erleben sollten und die Erklärung, warum die verschiedenen Blöcke verschiedene Preisstufen haben.
Als ich dann jedoch in der Spielerkabine stand, wo zuvor meine Mannschaft sich umgezogen hat und als ich mich im Spielertunnel wiederfand, wurde ich dann doch von enormer Gänsehaut erfasst. Genau hier hat vor 2 Tagen meine Mannschaft gestanden. Die Arena nahezu menschenleer zu betrachten und dabei interessante Infos zu bekommen, war ein echtes Erlebnis.
Viele Fotos gabs diesmal leider nicht, nur für das wichtigste hats gereicht. Diese möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.