In der Tat eine krasse Verspätung. Ganze anderthalb Wochen ist mein Besuch in der Karnevalshauptstadt Köln schon her, aber ich habe noch nicht darüber berichtet. Das hole ich jetzt schnell nach. Dabei ist es mir eigentlich egal, ob ihr euch dafür interessiert oder nicht.
Tja, warum fahre ich 500 Kilometer in eine fremde Stadt für nur 1,2 Tage? Ganz klar: Da steckt ein Kerl dahinter. Oder vielmehr 11. Zum Fußballgucken im Kölner Rheinenergie-Stadion setzte ich mich am frühen Morgen des 12. September 2007 in den InterCity, der mich in 6 Stunden und 5 Minuten nach Köln befördern sollte.
Wer meinen Blog seit Monaten fleißig verfolgt, der weiß, das ich Anfang April schon einmal in Köln war. Unter etwas anderen Umständen und noch ohne die Fußball-Intention. Zu dem Zeitpunkt damals wusste ich noch nicht, das sich knapp 2 Monate später erst die geballte Kraft meiner Fußballbegeisterung in der Hamburger AOL Arena entfesseln sollte, einst beim Spiel Deutschland gegen die Slowakei.
Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Wer steht schon gerne um diese unchristliche Zeit auf? Ich _normalerweise_ nicht. Aber dies sind ja ganz andere Umstände. Also nichts wie raus aus den Federn, Rechner an, mich vom Forum www.tooor.de verabschieden, frühstücken, duschen, anziehen, das letzte Zeug zusammenpacken und mit einem breiten Grinsen das Schloss meiner Wohnung zuschließen. Auf gehts. Am Abend erwartet die deutsche Nationalmannschaft die Rumänen. Diesem Spiel, sei es auch nur ein Freundschaftsspiel gewesen, fieberte ich seit Monaten entgegen.
Leider war über einen Monat vor besagtem Datum kein einziger ICE mehr nach Köln zu haben. Ärgerlich, aber früh aufbrechen zu können, nahm ich dann sogar einen InterCity (IC) in Kauf. Wohlwissend, das ich bereits so eine Strecke 5 Monate vorher gefahren bin. Mit einem Riesenbogen über Magdeburg, Braunschweig, Hannover und Dortmund kam ich 6 Stunden später an. Mit einem Taubheitsgefühl in den Arschbacken aber mit einem Grinsen auf den Lippen.
Erfreulicherweise musste ich die nächsten Stunden bis zum Spiel am Abend nicht alleine verbringen: die liebe Sabine, die ich im Forum von www.tooor.de kennengelernt hab, leistete mir Gesellschaft. Mit einer weiten Anreise aus München überholte sie mich knapp auf der Skala der am weitesten für das Länderspiel gereisten Foren-User. Mit etwa 20 Kilometern mehr auf dem Kilometerstandsanzeiger.
Man traf sich dort, wo in fremden Städten früher oder später alle Wege entweder anfangen oder enden: Beim McDonalds. Ganz lässig mit Bayern-Sweatshirt (ich wurde ja vorgewarnt) beschnupperten wir uns kurze Zeit. Nachdem wir schon aufgetaut waren, machten wir uns auf dem Weg in die Innenstadt, wo wir erstmal was essen wollten. Die Schildergasse hat sich nicht verändert, warum sollte sie auch? Ich hatte auch den Eindruck, der alte Mann mit dem goldenen Anzug, der zwischen dem Kölner Dom und der Schildergasse seinen Herbst des Lebens genießt, hat sich seit meinem letzten Besuch kein bisschen fortbewegt.
Der Hunger führte uns ins nächstgelegene Nordsee-Lokal, wo es für uns lecker Fisch mit lecker Bratkartoffeln gab. Yummy, yummy! Wir verstanden uns prima (oder, Sabine?) und ich hatte keine Sorge, das der Tag ganz großes Kino werden würde. Hier und da in die Geschäfte geschnarcht vergingen schnell die Minuten und Stunden.
Vorgenommen hatten wir uns eines ganz sicher: Hoch auf den Kölner Dom. Für mich war es der zweite Besuch in dieser schönen Stadt, für Sabine sogar der zehnte oder so. Beide waren wir noch nicht dort oben, um die (mit Sicherheit herrliche) Aussicht zu genießen. Also wollten wir dort rauf, ist ja ganz klar.
Ein bisschen übel wurde mir schon unten an der Kasse: Selten haben einem zweit kleine Wörter so schnell Bauchschmerzen bereitet: “Kein Aufzug”. Oh großer Gott. Ein paar Schocksekunden später und wir beide warfen uns ein verschmitztes Grinsen zu. Ich meinte, ich seie nicht 500 Kilometer gefahren, um jetzt halt zu machen. Wie philosophisch. Also kraxelten wir für je 2 Euro Aufstiegsgebühr nach oben, eine schmale, alte Wendeltreppe, die einfach nur endlos schien.
Bestimmt werde ich diesen Fehler nicht noch einmal machen, wenn ich irgendwo für mehr als 3 Stunden auswärts bin: den schweren Rucksack mitschleppen, den ich für diesen 2-Tages-Ausflug bis zum letzten kleinen Fach gefüllt hatte. Die Wasserflasche an der Seite knallte dauernd gegen die versifften Wände des Treppenhauses, wenn man das überhaupt so nennen kann.
Zu Beginn mit flottem Tempo aufgestiegen, dann aber doch hechelnd langsamer geworden. Fast hatten wir es geschafft. Mit letzter Kraft schleppte mich Treppe um Treppe nach oben, abwechselnd hinter oder vor der Sabine, die bestimmt auch so ihre Konditionsproblemchen hatte. Plötzlich stieg mir ein nur allzu vertrauter Duft in die Nase: Nein, es waren keine im Dom eingemauerten Leichen gefolteter Anti-Kölner, sondern es war – wie unglaublich – frische Luft!
Doch geschafft hatten wir es noch nicht. Noch etliche Treppenstüfchen nach oben und dann waren wir endlich da. Was sich dort oben meinem aufmerksamen Auge bot, war zwar eine schöne Aussicht, aber die Mundwinkel gingen angesichts des Stahlgitter-Geflechts schnell wieder nach unten. Die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Panorama-Foto machen zu können, sank stetig nach unten. Ich habe es aber doch hinbekommen, wenn auch nur mit 3 Einzelbildern, wo es anderswo auch gerne bis zu 15 werden können.
Nach kurzem Aufenthalt mussten wir auch wieder herabsteigen. Ich hatte mir den Abstieg so einfach vorgestellt. Aber die Tatsache, das der Gegenverkehr enorm war und ich tierisch bei den manchmal extrem durchgetretenen Treppenstufen aufpassen musste, das ich nicht nach unten stürze (ja, das Tollpatsch-Gen!), machte das ganze nochmal zur echten Prüfung. Hört diese blöde Treppe denn nie auf? Doch, sie hörte auf und oh Gott, wie dankbar ich war. Kurz noch in die…wie nennt man das? Halt unten im Dom rumgelaufen, Fenster beglotzt, auf die Kirchenbänke gesetzt und ein kurtes kollektives Sit-In mit Sabine gemacht.
Und dann mussten wir auch schon wieder los. Es war bereits halb 4 und für 16 Uhr war der Treffpunkt am Stadion angesagt. Es ging danach zur U-Bahn-Station am Hauptbahnhof, wo wir erst einmal in die falsche Richtung gefahren sind. An dieser Stelle geht es weiter mit dem Bericht zum Spiel. Dort berichte ich auch von dem tollen Fantreffen und den tollen Leuten, die ich kennengelernt habe.
++++ BERICHT ZUM FANTREFFEN UND ZUM SPIEL ++++ HIER WEITERLESEN ++++
Zu meiner Überraschung konnte ich nach diesem aufregenden Spiel schnell einschlafen und habe auch sehr gut geschlafen. Und um es mit den Worten von David Odonkor auszudrücken: “Ich hab drüber nachgedacht, wie das Spiel aber geträumt hab ich glaube ich nichts”. Ich erinnere mich jedenfalls nicht daran.
Ein leckeres Frühstück gab es in der Wohnung von Hannes’ Kumpel Simon, der praktischerweise an diesem Tag auch Geburtstag hatte. Bei ihm übernachteten wir beide, wir hatten einen Hausschlüssel für die Studenten-WG bekommen. Ein mir nicht ganz geheureres, aber liebenswertes Chaos. Wir sind dann losgezogen und es ging für uns zu Fuß in Richtung Innenstadt, wo Hannes zum Bahnhof wollte. Zurück nach Dortmund hieß sein Reiseziel, meine Mitfahrgelegenheit würde erst in vielen Stunden abfahren. Zuvor gingen wir aber noch ein wenig spazieren und waren auch noch an der Touristeninfo, wo ich mir für richtig günstige 20 Cent einen Innenstadtplan gekauft habe. Ich ging ja auch davon aus, der würde mir etwas nützen.
Nach einem heißen Kakao bei Starbucks schaffte ich ihn noch zum Zug und wir verabschiedeten uns. Ein sehr netter junger Mann, wirklich. Und was fange ich jetzt mit meiner Zeit an. Zuerst faulenzte ich noch ein wenig auf dem Roncalliplatz zwischen Kölner Dom und Hauptbahnhof, wo ich mit meiner Digitalkamera viele hunderte Serienbilder machte, um daraus eine Art Zeitraffer zu erstellen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mein Weg führte mich außerdem noch einmal zur Schildergasse, wo ich nochmal jedes interessante Geschäft umgegraben habe – mit Erfolg! Ich kaufte mir ein Shirt, bzw. Top, einen Bilderrahmen, Geburtstagskarten die ich so noch nie in Leipzig gesehen habe und einen ganzen Batzen Deutschland-Zeugs: Socken, Gürtel mit BlingBling, Schlüsselanhänger und Gummiarmbänder. Klasse Ausbeute für Schmales. Und ja, ich brauche dieses Zeug wirklich! ;)
Hier noch ein bisschen bummeln, da noch etwas Anschauen und Fotografieren, das macht hungrig. Bei Subway stillte ich meinen Hunger und überbrückte dort noch einige Zeit mit Comics lesen. Ich bin einfach der Nase entlang gelaufen, was ich als Mensch ohne Orientierungssinn natürlich nie tun würde – aber ich hatte ja den vermeintlich nützlichen Stadtplan. Raus aus dem Subway, den Blick auf die Straßenecken und ich stand so hilflos da wir ein Reh im Scheinwerferlicht: keine Straßenschilder. Ich wurde panisch und nervös, was ich mir natürlich nicht anmerken lassen wollte.
Wir durch ein Wunder fand ich den Weg zurück sogar ohne jemanden zu fragen. Wow, macht 3 Kreuze an den Kalender! Als ich wieder in Innenstadtnähe kam und auch die touristenfreundlichen Wegweiser aus dem Boden schossen, fühlte ich mich wieder relativ sicher. Die letzte Station führte mich erneut an den Rhein, wo ich zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzner Brücke “eine 15 machte”. Das letzte Mal Entspannen, allein in der großen Stadt. Mit 990.000 Einwohnern hat Köln ja auch nur “ein paar mehr” als Leipzig mit seinen gerade 505.000 Einwohnern.
Petrus hat an diesen beiden Tagen prima mitgespielt, kein Regen, kein Gewitter, keine Phasen klirrender Kälte. Genau richtig für einen spätsommerlichen Aufenthalt weit weg von zu Hause. Zurück am Hauptbahnhof vergewisserte ich mich nun ein gutes Dutzend Mal, das ich auch ja in die richtige Bahn einsteige. Es war die richtige und sie sollte mich zum Chlodwigplatz führen. Und der war – für mich ungünstigerweise – in Sternform angesiedelt. In sämtliche Richtungen gingen die Straßen, natürlich war wieder nirgends ein Straßenschild zu sehen.
Beinahe eine komplette Umrundung des Chlodwigplatzes habe ich hingelegt, als ich dort war, wo ich hinwollte: Die Straße namens Severinswall – dort war dann auch glücklicherweise ein Straßenschild. Gut, eine nette Angestellte des Zeitungskiosk war mir behilflich, den Weg zu finden. Ich hätte ja auch nur in die andere Richtung um den Platz laufen müssen, dann hätte ich mir viel Weg gespart.
Kurz vor 18 Uhr war ich pünktlich da, um meine Mitfahrgelegenheit zu erwischen. Miro, der Fahrer, kam kurz nach mir an, ein anderer Mitfahrer war schon da und die letzte Mitfahrerin im Bunde kam dann auch gleich dazu. Noch schnell eine Zigarette (für die anderen, selbstverständlich nicht für mich!) und dann gings los, diesmal durfte ich mir aussuchen, wo ich sitzen will. Als aussichtsgeile Vornesitzerin nahm ich das Angebot gern an und stieg vorne ein. Ladies und Gentleman, bitte schnallt euch an. Es ging im silbernen Audi bei beginnendem Sonnenuntergang zurück nach Leipzig.
Die Fahrt war nach den Anfangsgesprächen sehr ruhig verlaufen, stundenlang sprach keiner ein Wort. Das war nahezu unheimlich, aber nachdem ich mich daran gewöhnt hatte und ich mich auch nicht traute, jetzt loszuplappern, konnte ich mich richtig entspannen. Das Schweigen wollte ich aber unbedingt brechen, als wir kurz vor 10 Uhr ENDLICH auf der Autobahn an einem Raststätte-Schild vorbeifuhren, wollte ich bereits den Mund aufmachen und fragen, ob wir halten können. Da kam mir die nette Mitfahrerin allerdings schon zuvor. Ich war so glücklich, das ich dann endlich aufs Klo gehen kann.
Über etliche kleine Dörfer mussten wir wegen eines Staus ausweichen, aber Miro wusste wohl was er tut, er fährt die Strecke wohl öfters. In Weißenfels warfen wir die Mitfahrerin raus, die dort im Gewerbegebiet von ihren Eltern abgeholt wurde, den anderen Mitfahrer setzten wir am Zentralstadion in Leipzig ab und ich wurde in der Nähe meiner Wohnung rausgeschmissen. Für 25 Euro war dies eine angenehme Fahrt. Es war etwa halb 12 Uhr Nachts, als ich endlich daheim ankam. Die ersten Amtshandlungen: Toilette, Meerschwein knuddeln, Rechner an, 1 Stunde surfen, duschen, ins Bett fallen, glücklich sein. Es kann so einfach sein.
Höchst zufrieden kehrte ich nach fast 2 vollen Tagen nach Leipzig zurück. Viel Spaß hats gemacht, sowohl Köln selbst als auch das Spiel am Vorabend. Gespannt zähle ich nun die Wochen, Tage, Stunden und Minuten bis zu meiner nächsten Länderspielreise. Diese wird in weniger als 1 Monat beginnen. Dann setze ich mich wieder in den Zug. Und das Ziel wird München heißen.



























