28.09.2007 um 21:37 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Es kam, wie es kommen musste. Einige volle Speicherkarten in Köln konnten ja nicht alles sein, was ich mir als Erinnerung an diesen tollen Tag beim Länderspiel bewahren kann, nicht wahr?
Ich möchte mir seit Monaten ein schönes Fußball-Fotoalbum anlegen, ich habe bereits Fotos von der WM beim digitalen Bilderdienst 1nightprint.de entwickeln lassen, wo aber noch welche von einem Leipziger Fotografen, den ich kenne, dazu kommen (für lau!).
Aber “nur” mit einem WM-Album gebe ich mich nicht zufrieden. Fleißig bestellte ich nun viele viele viele Fotos beim Bilderdienst. Vor 2 Tagen hatte ich endlich Post im Briefkasten. Inhalt: 125 glänzende Fotos von Fußballspielen, die ich bereits besucht habe. Viele waren es (noch) nicht: EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Slowakei in Hamburg am 6. Juni, Ligapokalfinale Bayern gegen Schalke in Leipzig am 28. Juli, Bundesliga-Spiel Hertha BSC Berlin gegen den VfB Stuttgart im Olympiastadion Berlin am 18. August und aus jüngster Zeit: Das Freundschaftsspiel Deutschland gegen Rumänien in Köln am 12. September.
Ein großer Haufen Fotos, jedes davon kostete 9 Cent, der emotionale Erinnerungswert, die mit diesen Bildern verbunden sind, sind jedoch mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Es geht nun bald weiter für mich, in 2 einhalb Wochen fahre ich nach München fürs EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Tschechien. Ich bin schon so aufgeregt vor Freude. Da habe ich mir ja gerade den richtigen Zeitpunkt ausgesucht, um mit dem Fingernägelkauen aufzuhören. Mehr dazu ein anderes Mal.
23.09.2007 um 20:46 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
In der Tat eine krasse Verspätung. Ganze anderthalb Wochen ist mein Besuch in der Karnevalshauptstadt Köln schon her, aber ich habe noch nicht darüber berichtet. Das hole ich jetzt schnell nach. Dabei ist es mir eigentlich egal, ob ihr euch dafür interessiert oder nicht.
Endlich wieder in Köln!
Tja, warum fahre ich 500 Kilometer in eine fremde Stadt für nur 1,2 Tage? Ganz klar: Da steckt ein Kerl dahinter. Oder vielmehr 11. Zum Fußballgucken im Kölner Rheinenergie-Stadion setzte ich mich am frühen Morgen des 12. September 2007 in den InterCity, der mich in 6 Stunden und 5 Minuten nach Köln befördern sollte.
Mit einem riesen Bogen durch Deutschland nach Köln
Wer meinen Blog seit Monaten fleißig verfolgt, der weiß, das ich Anfang April schon einmal in Köln war. Unter etwas anderen Umständen und noch ohne die Fußball-Intention. Zu dem Zeitpunkt damals wusste ich noch nicht, das sich knapp 2 Monate später erst die geballte Kraft meiner Fußballbegeisterung in der Hamburger AOL Arena entfesseln sollte, einst beim Spiel Deutschland gegen die Slowakei.
Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Wer steht schon gerne um diese unchristliche Zeit auf? Ich _normalerweise_ nicht. Aber dies sind ja ganz andere Umstände. Also nichts wie raus aus den Federn, Rechner an, mich vom Forum www.tooor.de verabschieden, frühstücken, duschen, anziehen, das letzte Zeug zusammenpacken und mit einem breiten Grinsen das Schloss meiner Wohnung zuschließen. Auf gehts. Am Abend erwartet die deutsche Nationalmannschaft die Rumänen. Diesem Spiel, sei es auch nur ein Freundschaftsspiel gewesen, fieberte ich seit Monaten entgegen.
Der Kölner Dom
Leider war über einen Monat vor besagtem Datum kein einziger ICE mehr nach Köln zu haben. Ärgerlich, aber früh aufbrechen zu können, nahm ich dann sogar einen InterCity (IC) in Kauf. Wohlwissend, das ich bereits so eine Strecke 5 Monate vorher gefahren bin. Mit einem Riesenbogen über Magdeburg, Braunschweig, Hannover und Dortmund kam ich 6 Stunden später an. Mit einem Taubheitsgefühl in den Arschbacken aber mit einem Grinsen auf den Lippen.
Erfreulicherweise musste ich die nächsten Stunden bis zum Spiel am Abend nicht alleine verbringen: die liebe Sabine, die ich im Forum von www.tooor.de kennengelernt hab, leistete mir Gesellschaft. Mit einer weiten Anreise aus München überholte sie mich knapp auf der Skala der am weitesten für das Länderspiel gereisten Foren-User. Mit etwa 20 Kilometern mehr auf dem Kilometerstandsanzeiger.
Herrliche Aussicht
Man traf sich dort, wo in fremden Städten früher oder später alle Wege entweder anfangen oder enden: Beim McDonalds. Ganz lässig mit Bayern-Sweatshirt (ich wurde ja vorgewarnt) beschnupperten wir uns kurze Zeit. Nachdem wir schon aufgetaut waren, machten wir uns auf dem Weg in die Innenstadt, wo wir erstmal was essen wollten. Die Schildergasse hat sich nicht verändert, warum sollte sie auch? Ich hatte auch den Eindruck, der alte Mann mit dem goldenen Anzug, der zwischen dem Kölner Dom und der Schildergasse seinen Herbst des Lebens genießt, hat sich seit meinem letzten Besuch kein bisschen fortbewegt.
Der Hunger führte uns ins nächstgelegene Nordsee-Lokal, wo es für uns lecker Fisch mit lecker Bratkartoffeln gab. Yummy, yummy! Wir verstanden uns prima (oder, Sabine?) und ich hatte keine Sorge, das der Tag ganz großes Kino werden würde. Hier und da in die Geschäfte geschnarcht vergingen schnell die Minuten und Stunden.
Vorgenommen hatten wir uns eines ganz sicher: Hoch auf den Kölner Dom. Für mich war es der zweite Besuch in dieser schönen Stadt, für Sabine sogar der zehnte oder so. Beide waren wir noch nicht dort oben, um die (mit Sicherheit herrliche) Aussicht zu genießen. Also wollten wir dort rauf, ist ja ganz klar.
Ein bisschen übel wurde mir schon unten an der Kasse: Selten haben einem zweit kleine Wörter so schnell Bauchschmerzen bereitet: “Kein Aufzug”. Oh großer Gott. Ein paar Schocksekunden später und wir beide warfen uns ein verschmitztes Grinsen zu. Ich meinte, ich seie nicht 500 Kilometer gefahren, um jetzt halt zu machen. Wie philosophisch. Also kraxelten wir für je 2 Euro Aufstiegsgebühr nach oben, eine schmale, alte Wendeltreppe, die einfach nur endlos schien.
Busstau
Bestimmt werde ich diesen Fehler nicht noch einmal machen, wenn ich irgendwo für mehr als 3 Stunden auswärts bin: den schweren Rucksack mitschleppen, den ich für diesen 2-Tages-Ausflug bis zum letzten kleinen Fach gefüllt hatte. Die Wasserflasche an der Seite knallte dauernd gegen die versifften Wände des Treppenhauses, wenn man das überhaupt so nennen kann.
Zu Beginn mit flottem Tempo aufgestiegen, dann aber doch hechelnd langsamer geworden. Fast hatten wir es geschafft. Mit letzter Kraft schleppte mich Treppe um Treppe nach oben, abwechselnd hinter oder vor der Sabine, die bestimmt auch so ihre Konditionsproblemchen hatte. Plötzlich stieg mir ein nur allzu vertrauter Duft in die Nase: Nein, es waren keine im Dom eingemauerten Leichen gefolteter Anti-Kölner, sondern es war – wie unglaublich – frische Luft!
Doch geschafft hatten wir es noch nicht. Noch etliche Treppenstüfchen nach oben und dann waren wir endlich da. Was sich dort oben meinem aufmerksamen Auge bot, war zwar eine schöne Aussicht, aber die Mundwinkel gingen angesichts des Stahlgitter-Geflechts schnell wieder nach unten. Die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Panorama-Foto machen zu können, sank stetig nach unten. Ich habe es aber doch hinbekommen, wenn auch nur mit 3 Einzelbildern, wo es anderswo auch gerne bis zu 15 werden können.
Nach kurzem Aufenthalt mussten wir auch wieder herabsteigen. Ich hatte mir den Abstieg so einfach vorgestellt. Aber die Tatsache, das der Gegenverkehr enorm war und ich tierisch bei den manchmal extrem durchgetretenen Treppenstufen aufpassen musste, das ich nicht nach unten stürze (ja, das Tollpatsch-Gen!), machte das ganze nochmal zur echten Prüfung. Hört diese blöde Treppe denn nie auf? Doch, sie hörte auf und oh Gott, wie dankbar ich war. Kurz noch in die…wie nennt man das? Halt unten im Dom rumgelaufen, Fenster beglotzt, auf die Kirchenbänke gesetzt und ein kurtes kollektives Sit-In mit Sabine gemacht.
Und dann mussten wir auch schon wieder los. Es war bereits halb 4 und für 16 Uhr war der Treffpunkt am Stadion angesagt. Es ging danach zur U-Bahn-Station am Hauptbahnhof, wo wir erst einmal in die falsche Richtung gefahren sind. An dieser Stelle geht es weiter mit dem Bericht zum Spiel. Dort berichte ich auch von dem tollen Fantreffen und den tollen Leuten, die ich kennengelernt habe.
Zu meiner Überraschung konnte ich nach diesem aufregenden Spiel schnell einschlafen und habe auch sehr gut geschlafen. Und um es mit den Worten von David Odonkor auszudrücken: “Ich hab drüber nachgedacht, wie das Spiel aber geträumt hab ich glaube ich nichts”. Ich erinnere mich jedenfalls nicht daran.
Panorama vom Roncalliplatz
Ein leckeres Frühstück gab es in der Wohnung von Hannes’ Kumpel Simon, der praktischerweise an diesem Tag auch Geburtstag hatte. Bei ihm übernachteten wir beide, wir hatten einen Hausschlüssel für die Studenten-WG bekommen. Ein mir nicht ganz geheureres, aber liebenswertes Chaos. Wir sind dann losgezogen und es ging für uns zu Fuß in Richtung Innenstadt, wo Hannes zum Bahnhof wollte. Zurück nach Dortmund hieß sein Reiseziel, meine Mitfahrgelegenheit würde erst in vielen Stunden abfahren. Zuvor gingen wir aber noch ein wenig spazieren und waren auch noch an der Touristeninfo, wo ich mir für richtig günstige 20 Cent einen Innenstadtplan gekauft habe. Ich ging ja auch davon aus, der würde mir etwas nützen.
Nach einem heißen Kakao bei Starbucks schaffte ich ihn noch zum Zug und wir verabschiedeten uns. Ein sehr netter junger Mann, wirklich. Und was fange ich jetzt mit meiner Zeit an. Zuerst faulenzte ich noch ein wenig auf dem Roncalliplatz zwischen Kölner Dom und Hauptbahnhof, wo ich mit meiner Digitalkamera viele hunderte Serienbilder machte, um daraus eine Art Zeitraffer zu erstellen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Mein Weg führte mich außerdem noch einmal zur Schildergasse, wo ich nochmal jedes interessante Geschäft umgegraben habe – mit Erfolg! Ich kaufte mir ein Shirt, bzw. Top, einen Bilderrahmen, Geburtstagskarten die ich so noch nie in Leipzig gesehen habe und einen ganzen Batzen Deutschland-Zeugs: Socken, Gürtel mit BlingBling, Schlüsselanhänger und Gummiarmbänder. Klasse Ausbeute für Schmales. Und ja, ich brauche dieses Zeug wirklich! ;)
Hier noch ein bisschen bummeln, da noch etwas Anschauen und Fotografieren, das macht hungrig. Bei Subway stillte ich meinen Hunger und überbrückte dort noch einige Zeit mit Comics lesen. Ich bin einfach der Nase entlang gelaufen, was ich als Mensch ohne Orientierungssinn natürlich nie tun würde – aber ich hatte ja den vermeintlich nützlichen Stadtplan. Raus aus dem Subway, den Blick auf die Straßenecken und ich stand so hilflos da wir ein Reh im Scheinwerferlicht: keine Straßenschilder. Ich wurde panisch und nervös, was ich mir natürlich nicht anmerken lassen wollte.
Schildergasse
Wir durch ein Wunder fand ich den Weg zurück sogar ohne jemanden zu fragen. Wow, macht 3 Kreuze an den Kalender! Als ich wieder in Innenstadtnähe kam und auch die touristenfreundlichen Wegweiser aus dem Boden schossen, fühlte ich mich wieder relativ sicher. Die letzte Station führte mich erneut an den Rhein, wo ich zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzner Brücke “eine 15 machte”. Das letzte Mal Entspannen, allein in der großen Stadt. Mit 990.000 Einwohnern hat Köln ja auch nur “ein paar mehr” als Leipzig mit seinen gerade 505.000 Einwohnern.
Petrus hat an diesen beiden Tagen prima mitgespielt, kein Regen, kein Gewitter, keine Phasen klirrender Kälte. Genau richtig für einen spätsommerlichen Aufenthalt weit weg von zu Hause. Zurück am Hauptbahnhof vergewisserte ich mich nun ein gutes Dutzend Mal, das ich auch ja in die richtige Bahn einsteige. Es war die richtige und sie sollte mich zum Chlodwigplatz führen. Und der war – für mich ungünstigerweise – in Sternform angesiedelt. In sämtliche Richtungen gingen die Straßen, natürlich war wieder nirgends ein Straßenschild zu sehen.
Beinahe eine komplette Umrundung des Chlodwigplatzes habe ich hingelegt, als ich dort war, wo ich hinwollte: Die Straße namens Severinswall – dort war dann auch glücklicherweise ein Straßenschild. Gut, eine nette Angestellte des Zeitungskiosk war mir behilflich, den Weg zu finden. Ich hätte ja auch nur in die andere Richtung um den Platz laufen müssen, dann hätte ich mir viel Weg gespart.
Kurz vor 18 Uhr war ich pünktlich da, um meine Mitfahrgelegenheit zu erwischen. Miro, der Fahrer, kam kurz nach mir an, ein anderer Mitfahrer war schon da und die letzte Mitfahrerin im Bunde kam dann auch gleich dazu. Noch schnell eine Zigarette (für die anderen, selbstverständlich nicht für mich!) und dann gings los, diesmal durfte ich mir aussuchen, wo ich sitzen will. Als aussichtsgeile Vornesitzerin nahm ich das Angebot gern an und stieg vorne ein. Ladies und Gentleman, bitte schnallt euch an. Es ging im silbernen Audi bei beginnendem Sonnenuntergang zurück nach Leipzig.
Die Fahrt war nach den Anfangsgesprächen sehr ruhig verlaufen, stundenlang sprach keiner ein Wort. Das war nahezu unheimlich, aber nachdem ich mich daran gewöhnt hatte und ich mich auch nicht traute, jetzt loszuplappern, konnte ich mich richtig entspannen. Das Schweigen wollte ich aber unbedingt brechen, als wir kurz vor 10 Uhr ENDLICH auf der Autobahn an einem Raststätte-Schild vorbeifuhren, wollte ich bereits den Mund aufmachen und fragen, ob wir halten können. Da kam mir die nette Mitfahrerin allerdings schon zuvor. Ich war so glücklich, das ich dann endlich aufs Klo gehen kann.
Über etliche kleine Dörfer mussten wir wegen eines Staus ausweichen, aber Miro wusste wohl was er tut, er fährt die Strecke wohl öfters. In Weißenfels warfen wir die Mitfahrerin raus, die dort im Gewerbegebiet von ihren Eltern abgeholt wurde, den anderen Mitfahrer setzten wir am Zentralstadion in Leipzig ab und ich wurde in der Nähe meiner Wohnung rausgeschmissen. Für 25 Euro war dies eine angenehme Fahrt. Es war etwa halb 12 Uhr Nachts, als ich endlich daheim ankam. Die ersten Amtshandlungen: Toilette, Meerschwein knuddeln, Rechner an, 1 Stunde surfen, duschen, ins Bett fallen, glücklich sein. Es kann so einfach sein.
Hauptbahnhof
Höchst zufrieden kehrte ich nach fast 2 vollen Tagen nach Leipzig zurück. Viel Spaß hats gemacht, sowohl Köln selbst als auch das Spiel am Vorabend. Gespannt zähle ich nun die Wochen, Tage, Stunden und Minuten bis zu meiner nächsten Länderspielreise. Diese wird in weniger als 1 Monat beginnen. Dann setze ich mich wieder in den Zug. Und das Ziel wird München heißen.
Welch unglaubliche Erfolgssträhne der deutschen Nationalmannschaft! Die Siegesserie geht weiter und auch am Mittwoch Abend hat man sich nicht von sehr starken Rumänen aus dem Konzept bringen lassen. 3:1 lautet das Ergebnis, welches ich live im Kölner Stadion miterleben durfte. Mit dabei: supernette neue Leute vom Forum www.tooor.de, die das ganze unvergesslich gemacht haben.
Das Rheinenergie-Stadion in Köln
Auch dieses Spiel war natürlich nicht zum Zunge schnalzen schön, keineswegs. Von der ersten Halbzeit ganz zu schweigen – da ging ja gar nichts, weder spieltechnisch noch stimmungstechnisch. Aber in der Halbzeitpause wurde ein Schalter umgelegt und unsere Jungs drehten richtig auf – starke Leistung, ein Spiel so zu drehen.
Aber ich kehre vorerst zurück an den Punkt, wo die Geschichte vom Spiel ihren Anfang nahm: an der U-Bahn-Station am Kölner Hauptbahnhof. Wie ich dorthin kam, erzähle ich euch später. Der Tagesabschnitt „Fußballspiel“ begann wenig rühmlich mit dem Fahren in die falsche U-Bahn-Richtung. „Wooops“ dachten meine Begleitung Sabine alias makaay10 und Ich, als wir unser Maleur bemerkten. Also gleich wieder ausgestiegen und in die andere Richtung gefahren, dort kam die Bahn auch ziemlich schnell und wir fuhren diesmal in die richtige Richtung.
Ich glaube, am Heumarkt stiegen 4,5 junge Kerle ein, die ebenfalls auf dem Weg zum Stadion waren, während wir ja unverkennbar mit Trikots auch dahin wollten. Es handelte sich wohl um Kölner, aber keiner von ihnen schien schon seit langem zu wissen, das im Rheinenergie-Stadion ein Spiel der deutschen Mannschaft stattfindet. Jedenfalls hatten sie keine Tickets – und offensichtlich auch keinen Plan. Weder vom Ticketkauf noch vom richtigen Lesen des Liniennetzplans des KVB (Kölner Verkehrsverbund) – 3 Stationen hintereinander sagte der Eine, wir seien nächste Station da. Vollidiot, hehe.
Dort angekommen erhob sich das Rheinenergie-Stadion neben der Bahnhaltestelle. Auf dem Weg dorthin erspähten wir bereits das DFB-Fanzelt und den DFB-Bus. Kurz geguckt und dann gings gleich mal hinters Stadion, dort war der für 16:00 Uhr vereinbarte Treffpunkt an der Gaffelbude. Auf der Nordseite, an der wir vorbeimussten, erspähten wir einen großen Bus und einen Menschenauflauf. „Das werden doch wohl nicht die Jungs sein…oder etwa doch?“. Grinsend legten wir einen Zahn zu und erkannten dann aber doch, das es nur die Kapelle war. Pech gehabt. Hinterm Stadion an der Südtribüne fanden wir zu unserer Überraschung eine gähnende Leere vor. Nur eine kleine Grillbude war da, unmöglich, das die gemeint war.
Also den Frank alias Kartenfahnder alias Fahndi angerufen und gefragt, wo wir hinmüssen. Er meinte nur noch, das die Frage wohl eher nicht „Ist die Gaffelbude schon in Betrieb?“ sondern eher „Existiert die Gaffelbude schon?“ hätte heißen müssen. Um 4 Uhr nachmittags war jene nämlich noch nicht aufgebaut und Frank lotste uns zum nahe gelegenen Biergarten, wo auch bereits der Tooorler Ruhrpott gewartet hat. Später kamen auch Berezin und HumanMuelltonn dazu. Und ja: auch Leute mit solchen komischen Namen sind tatsächlich meine neue Forenfamilie.
Die Minuten verstrichen bei lustigen Gesprächen und wir wollten langsam aufbrechen. Die Gaffelbude wurde bereits aufgebaut, teilten uns die letzten beiden dazugekommenen Jungs. Also gings auch direkt dorthin, wo wir nach und nach immer mehr Tooorler wurden. Wer wann und mit wem erschienen ist, weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau, aber ich habe mich riesig gefreut, alle kennenzulernen, denn ich kannte an diesem Tag vorher keinen einzigen.
Ich habe im Internet gelesen, das es am DFB-Fanbus kostenloses Schminken gibt. Zuletzt hab ich das in der Grundschule gemacht, aber dieses Mal musste das sein. Im Rucksack schleppte ich zwar meine eigene Wasserfarben-Schminke mit mir herum, aber wenn das „professionell“ gemacht wird, schadets auch nicht. Und so bat ich Sabine, mich dorthin zu begleiten – sie selbst wollte sich allerdings nicht schminken lassen. Es schien ihr unglaublich wichtig zu sein, vor dem Schminken noch einen Begegnungsschal zu kaufen, welcher für sie bei jedem Spiel absolute Pflicht ist. Vor uns in der nicht gerade kleinen Schlange am Schminktisch war gerade ein junger Kerl an der Reihe, der mir als „Schweini für Arme“ in Erinnerung bleiben wird. Er hielt zwar mit seinem kompletten Gesichtspainting lange die ganze Reihe auf, aber er genoss etliche neugierige Blicke, denn er war unserem Bastian „Schweini“ Schweinsteiger wie aus dem Gesicht geschnitten – der Gesichtsausdruck, das dümmliche Grinsen, die Frisur (nicht mehr auf topaktuellem Stand. Der echte Schweini trägt nun Silberblond!) und überhaupt.
Ich bewegte mich nur langsam in Richtung Schminktisch. Da bimmelte auf einmal mein Handy. Im DFB-Bus wurde lautstark übers Mikrofon moderiert, ich kann da unmöglich rangehen. „Raumplaner“ stand auf dem Display, der nette junge Mann, dem ich mein Ticket für dieses Spiel und das Spiel gegen Tschechien verdanke. Ich bat Sabine, mich kurz zu vertreten und so ging ich doch ran. „Wo bist du denn, ich seh dich nicht“ brabbelte ich orientierungslos und neben dem DFB-Bus um die eigene Achse drehend ins Telefon. Auf einmal sagte er am Telefon „Ah, ich hab dich!“, ich drehte mich um und ein von vielen Fotos bekanntes Gesicht kam mir grinsend entgegegen. Der Hannes alias Raumplaner.
Gruppenfoto vom Tooor.de-Fantreffen
So reihten wir uns wieder ein in die Warteschlange. Es wollte sich sogar ein weiblicher Rumänien-Fan vordrängeln mit der Begründung „Ich will doch nur paar Streifen“, aber die ganze Reihe wartete auch schon. So kam ich erstmal dran. „Ich will Herzchen draufhaben!“ – das stand für mich definitiv fest. So wurden mir links und rechts Herzchen mit Deutschland-Farben gemalt. Hannes wollte links und rechts die deutsche die rumänische Nationalflagge haben. Warum auch nicht, ist ja nur ein Freundschaftsspiel.
Da simmer dabei, dat is prima, Viva Colonia!
Das ganze hat viel länger gedauert, als beabsichtigt. In der Hoffnung, das noch jemand da ist, gings wieder zurück zur Südtribüne an die Gaffelbude. Gott sei Dank waren noch ein paar Leute da. Es wurde noch ein bisschen nett geschwatzt. Viel Zeit blieb allerdings nicht mehr, denn es war bereits schon Viertel nach 8, in 15 Minuten sollte das Spiel anfangen. Es wurde noch schnell ein gemeinsames Foto gemacht, was nach entsprechender Bearbeitung auch ganz gut geworden ist. Im Schlepptau von Hannes alias Raumplaner gings dann direkt zum Eingang, wieder wie üblich abgetatscht worden und der Rucksack schnell durchgeschaut, was diesmal sehr viel schneller ging als beim VfB-Auswärtsspiel in Berlin vor einem Monat.
Die Geräuschkulisse wurde lauter und lauter, es spielte (selbstverständlich) die Musik von „De Höhner“: VIVA COLONIA. Was wahrscheinlich auch der Grund war, warum die Leute vom Fantreffen erst kurz vor Anpfiff das Stadion betraten. Ich war wieder zutiefst beeindruckt vom Stadion. Es war noch lange nicht voll (und sollte es auch nicht werden im Verlauf des Abends) aber in dem Moment war es mir erst richtig bewusst, wo ich gerade bin: Nach einer 6-stündigen und 500 Kilometer weiten Reise war ich nun im Kölner Stadion und erwartete mit großer Spannung das Freundschaftsspiel Deutschland gegen Rumänien. Diesen Weg hätten nur sehr wenige auf sich genommen. Aber ich bereue nichts.
Die Mannschaftsaufstellung
Wo sind eigentlich unsere Plätze? Block S3, Reihe 13, Plätze 19 und 20. Es würde sich noch zeigen, das auch dieses Mal diese Plätze wohl auch kein purer Zufall sind, wie schon in Berlin. Nachdem wir einen Moment im falschen Block waren, fanden wir uns dann auch im richtigen Block S3 in der Südtribüne direkt hinterm Tor ein. Auf dem Platz machten sich die Teams warm und die Kölsche Stimmungsmusik lief pausenlos vom Band. Ich frage mich, wieviele Menschen im Stadion waren, die einen weiteren Weg als 200 Kilometer hinter sich gebracht haben… Von allen Leuten des Fantreffens bin ich übrigens doch nur Platz 2 der am weitesten Gereisten. Sabine überholte mich noch, denn sie kommt sogar extra aus München.
Deutsche Nationalhymne
Neben unseren Plätzen fanden wir zusammengerollten, weißen Tonkarton. Das kann nur eines bedeuten: meine erste Choreographie. Ich freute mich natürlich. Auf den rotfarbigen Sitzplätzen klebten kleine Zettel mit den Anweisungen für die Choreographie. Es stand drauf, das unser Kapitän Michael Ballack der deutschen Nationalmannschaft schon seit fast einem halben Jahr fehlt und das man ihn grüßen möchte mit einer eigens für ihn gedachten Choreographie. Die zusammen hochgehaltenen Tonkarton-Blätter entweder in den Farben Schwarz, Rot, Gelb und Weiß sollten dann den Namen „BALLACK“ ergeben. Man hat es nur vage gesehen im Fernsehen und ein Foto davon habe ich leider ebenfalls noch nicht gesehen. Wer so etwas hat: Ich wäre um Zusendung oder Tipps unendlich dankbar!
Lange mussten wir wie gesagt nicht warten… Los ging es gleich nach unserer Ankunft mit der Mannschaftsaufstellung – wie immer voller Inbrunst mitgebrüllt. Was sich auf den Videos rächen tut, wenn ihr versteht. Würde ich im Lotto gewinnen, würde ich mir von einem Gewinn gleich eine neue Stimme kaufen wollen. Als Außenstehender fällt es aber glaube ich nicht ganz so auf. Zumindest hoffe ich das.
Manuel Friedrich in Aktion
Dann liefen auch gleich die Mannschaften ein, also es war Zeit für die angekündigte Choreographie. Begeistert hielt ich mit weißes Blatt Papier in die Kölner Stadionluft. Nach nur wenigen Sekunden fing ich an, eine Seite des Papiers auf dem Kopf zu balancieren, denn die andere Hand ging selbstverständlich zum Fotoapperat, was denn sonst.
Direkt danach folgte die rumänische Nationalhymne, während der ich filmte, wie alle ihre Papiere zerknüllten und von den Rängen nach vorne warfen, eine durchaus amüsante Szenerie, die ich ziemlich eindrucksvoll fand. Aber: wer bin ich schon, das ich zu Beginn meines zweiten Länderspiels von großen Eindrücken sprechen kann, manch anderer würde mich wahrscheinlich auslachen. Wie dem auch sei: ich fands definitiv toll. Einfach nur toll.
Ausgerechnet ein italinisches Schiedsrichtergespann sollte diese Partie leiten – die Reaktion der deutschen Fans klar und die logische Konsequenz: „Wir singen scheiss Italiener, scheiss Italieeener!!!“ – wie rassistisch. Aber der Schmerz des WM-Halbfinals 2006 sitzt noch tief. Das ein Stadionblock von Anfang an aus dem Häuschen ist, habe ich leider so auch noch nie erleben dürfen. Beim ersten Länderspiel in Hamburg gegen die Slowakei war mein Sitzplatz mit guter Sicht auf der Haupttribüne, wo – wie mir schien – fast nur die Neutralen und die Presseleute saßen, denn stimmungstechnisch gabs da bis auf die beiden Tore nicht viel. Und auch hier: die Leute saßen einfach nur auf ihren Plätzen. Warum sitzt man in der Singing Area? Ich verstehs nicht.
TOOOOOR – Das 1:1 von Bernd Schneider!
Und als von der Stimmung her irgendwie nichts anfangen wollte in der Südtribüne kam auch noch der erste Schlag in die Magengrube: der Rumäne Goian erzielte nach nur wenigen Minuten das Tor. Nicht gerade wenige Rumänien-Fans jubelten im Stadion. Das darf doch nicht wahr sein. Aber nach dem Betrachten der Videoaufzeichnung kann ich nur sagen: Sie sind zu Recht in Führung gegangen. Jungens, das war aber eine Schlappwehr. Das könnt ihr doch besser!
Fast die komplette erste Halbzeit war ein einziger deutscher Albtraum. Es fielen keine weiteren Tore, aber da hatten wir mehr Glück als Verstand. Was auf dem Spielfeld abging, erkannte ich nur mit Mühe, hielt natürlich bei jeder kleinen Chance mit der Kamera drauf. Lange Zeit für Vergebens. Ich verfolgte die erste Halbzeit dann fast vollständig durch den 3-Zoll-Monitor meiner Digitalkamera – denn von der Stimmung her ging ja mal gar nichts auf der Südtribüne.
Auch von den anderen Tribünen hörte man kaum etwas. Ich schaute also weiter halb aufs Display, halb zum Spielfeld, in den Augenwinkeln das Geschehen auf der Südtribüne verfolgend. Mhmmm, Marcell Jansen auf Piotr Trochowski, der wiederrum auf Bastian Schweinsteiger, der in den Sechzehner flankt. Und dort wartete bereits der Kapitän des Abends und dienstältester auf dem Platz: Unser Ossi Bernd Schneider, hat das Kicken in Jena gelernt. Ich führte die Kamera schon weiter, aber auf einmal sprangen vor mir alle auf und jubelten. Das konnte nur eins bedeuten: Bernd hat die Pille ins Tor befördert und 5 Minuten vor der Halbzeitpause für den Ausgleich gesorgt.
Mit Köpfchen gemacht: Kopfballungeheuer Bernd Schneider
Und was für ein Tor: ein sensationelles und vielleicht ein wenig unbeabsichtigtes Kopfballtor, dieses Kopfballtor war sein erstes. Danach sagte er, er habe ja schon viel mit Köpfchen gemacht, aber ein Kopfballtor ist ihm noch nie gelungen. Hut ab, Bernd. Das war saustark! Ich konnte mich an diesem Abend nicht nur an meiner ersten Papier-Choreographie erfreuen, sondern auch erstmals am Ausrollen des DFB Riesentrikots, welches bei Heimspielen der Mannschaft mitgenommen wird und auf einer der Tortribünen ausgerollt wird, wenn ein Tor fällt. Gern machte ich dabei mit, erfreute mich an diesem herrlichen Dach über dem Kopf und brüllte aus gesunden Lungen den Namen „Schneider“, als der Stadionsprecher sagte „Das 1:1 in der 40. Minute. Der Torschütze mit der Nummer 19: Bernd…“
Laola-Welle
Zufrieden verabschiedete man sich in die Halbzeitpause. Ich wurde nämlich schon leicht nervös, vielleicht wieder kein Tor auf meiner eigenen Seite zu erleben. Das ich in diesem, ja durchaus historischen Moment, die Kamera draufgehalten haben, grenzt teils an ein Wunder, teils an die Langeweile und die Stimmungslosigkeit im Stadion. Sogar Pfiffe hatte es gegeben, als Piotr Trochowski nicht gerade wenige Zweikämpfe verlor und etliche Fehlpässe fabrizierte. Er kann das normalerweise auch viel besser, davon bin ich überzeugt. In der Halbzeitpause spielte man mit Boris Becker Golf am Mittelkreis. Wers braucht.
Man nimmt an, das es ganz schön Anschiss in der Kabine gab während der 15-minütigen Pause. Was auch immer unser Bundestrainer Jogi Löw aber zu den Jungs gesagt hat: es hat durchaus geholfen. Denn was wir in der zweiten Halbzeit auf dem Spielfeld gesehen haben, war vielmehr das, was uns die Jungs in den letzten Wochen und Monaten gezeigt haben: wirklich guter Fußball, Spaß, Freude, Spielwitz, Offensivität, gute Abwehr und hohe Konzentration. Es war das, was auch die Stimmung im Stadion wesentlich gehoben hat, denn es war auf einmal viel mehr los auf den Rängen des Kölner Rheinenergie-Stadions.
Dort war ich, als das Trikot ausgebreitet wurde
Wir erlebten einen frischen Fußball, den wir so schätzen und lieben gelernt haben bei unseren Jungs. Aber es stand „erst“ 1:1, da ging eigentlich noch mehr. Bei einem Freundschaftsspiel ist eigentlich gar nichts wichtig – aber ich dachte mir nur: Es wäre doch schade, 500 Kilometer für ein Unentschieden oder sogar für eine Niederlage zu fahren. Im Nachhinein bin ich mir aber eigentlich schon fast sicher, das es sich dennoch gelohnt hätte, denn ich habe supernette neue Leute kennengelernt – und bis zum Mittwoch Mittag kannte ich keinen einzigen von ihnen persönlich.
Es dauerte noch ein wenig. Noch warteten die Spieler auf ihre Chance. Und die Fans warteten auf das Knistern in der Luft, welches nur einen einzigen Funken braut, um das Stadion in ein bombastisches Tollhaus zu verwandeln: einen Funken namens „Tooooor!“. Noch warteten wir, jeder auf seine eigene Art und Weise mehr oder weniger geduldig. Endlich schwappte auch die Laola-Welle auf die nahezu ein Nickerchen haltende Nordkurve des Stadions über. Endlich sind sie aufgewacht, dachten wir uns.
TOOOOOR – Das 2:1 von David Odonkor!
Ich genoss die Stimmung beim Spiel, hielt ab und zu einen kleinen Plausch mit Hannes, der lieber in den Nachbarblock wechseln wollte, wo ein paar junge Männer richtig Stimmung gemacht haben, jedenfalls für Südtribünen-Verhältnisse. Wir starteten einige neue Laola-Wellen, die mit viel Glück auch mal zurück zur Quelle kamen, aber auch nicht immer. Außerdem stimmten wir diverse Sprechchöre an, die teilweise richtig amüsant waren.
Und wenn ich nicht gerade beschäftigt war mit Laola-Wellen machen oder dem Singen war, hielt ich mit der Kamera drauf. Und in der 65. Minute zahlte es sich dann endlich aus. Jogi hatte mittlerweile den blitzschnellen David Odonkor eingewechselt, der seit der WM aber kaum überzeugen konnte und zuletzt in Wales ein übel schlechtes Spiel abgeliefert hat. In unseren Herzen wird er bleiben als derjenige, der die entscheidende, traumhafte Flanke für das Tor Oliver Neuvilles gab, der zum Endstand 1:0 gegen Polen traf, einst an meinem 20. Geburtstag, am WM-geschichtsträchtigen 14. Juni 2006, wo die deutsche Euphorie erst richtig losging – und zwar wie eine Rakete.
TOOOOOR – Das 3:1 von Lu-Lu-Lu-Lukas Podolski!
Wo war ich? Achja, die 65. Minute und David Odonkor. Der erkämpft sich sensationell den Ball an der Mittellinie und hat danach einen fantastischen Antritt in Richtung Sechzehner. Poldi in der Mitte wedelte wild mit seinen Armen „Gib ab! Gib ab!“ schien er zu wollen. Aber „Speedy Odonkor“ wollte diese Sache alleine durchziehen. Wäre das schief gegangen, häts Ärger gegeben. Aber die Pille schlug zum 2:1 ein, wäre aber durchaus haltbar gewesen. Egal, wir freuen uns für David und sein erstes Länderspieltor für im deutschen Nationaldress. Sein Jubel ging zu allererst in Richtung Bundestrainer, wo er sich zunächst bedankte.
Geiler Knaller, Poldi!
Für eine weitere Viertelstunde dachte ich, die Stimmung könne nun nicht mehr besser werden. Wer darüber lacht, den weise ich hier noch einmal ausdrücklich darauf hin, das dies erst mein zweites Länderspiel war. Aber dies sollte noch nicht der Schlusspunkt sein. Die beiden Stürmer Lukas Podolski (Bayern München, Ex-Kölner) und Patrick Helmes (Kölner, zukünftiger Leverkusener) hatten noch nicht getroffen, dabei ist es doch ihr Wohnzimmer! Ein besonderer Augenmerk lag auf Lukas, der zuletzt beim 4:1-Sieg gegen die Slowakei im Herbst letzten Jahres getroffen hatte.
Da freute sich auch Torschütze Odonkor
Wir alle erwarteten bereits den Schlusspfiff, die Rumänen hatten schon keinen Bock mehr. Die haben keinen Widerstand mehr geleistet und ließen sich von unseren Jungs überrennen. Ist dies vielleicht unsere Chance. Nach einer Flanke vom Stuttgarter Roberto Hilbert bekommt der Poldi die Pille auf einmal vor die Füße gelegt. Wohin damit? Schnell weg damit. Ein kräftiges Ausholen mit dem Linken Bein und Poldi befördert den Ball mit einer Wahnsinnswucht zum 3:1-Endstand. Jetzt gab es im Stadion endgültig kein Halten mehr. Das Stadion wurde zum Tollhaus und was sich auf den Rängen abspielte war für mich einfach unglaublich. Innerlich grinsend dachte ich an die Kölnerin Mel, die als Podolski Fan natürlich wie aus dem Häuschen sein musste. Poldi zog sein Trikot aus, sah dafür die gelbe Karte. Aber das hat nun wirklich keinerlei Konsequenzen. Wie auch schon im Spiel um Platz 3 bei der WM 2006 ist dies eine gelbe Karte (damals für Schweini) durchaus eine, die man verkraften kann.
Kurz nach dem 3:1 Schlusspunkt machten Hannes und Ich uns auf zur Bande am Spielfeldrand, wo wir gespannt die Ehrenrunde abwarteten und ich vielleicht mein erstes „Hey! Hey! Hey!“ oder sogar noch ein Ufta-Ufta bekomme. Bis es soweit war und die Jungs ihre Ehrenrunde auf der Haupttribüne begannen und über die Nordtribüne fortsetzten, feierten wir zwei mit wildfremden Menschen unten an der Bande. Mittendrin: Paule, das DFB-Maskottchen. Der Riesenadler ist zwar irgendwie nervig und auch dann erst lustig wenn man genug getrunken hat, und auch wenn ich das nicht hatte, wusste ich schon Tage vorher, ich wolle ein Bild mit Paule haben. Ich hatte ja keine Ahnung, das ich auch wirklich eines bekommen sollte. Hannes kümmerte sich gern darum. Achja: Paule hat einen Riesenschnabel, der mir dauernd gegen den Kopf geschlagen ist, hehe.
Dann kamen auch endlich die Jungs bei uns vorbei, ich jubelte und winkte ihnen zu. Sie klatschten zwar fürs Publikum, aber auf eine derartige Vorstellung der Jungs, das sie dem Publikum unendlich dankbar sind, gab es jedoch nicht. Darauf wartete ich vergebens. Vielleicht beim nächsten Heimsieg, ich hoffe inständig. Nach einer kurzen Ehrenrunde verschwanden die Jungs in der Kabine und für Hannes und mich war es nun an der Zeit, das Stadion zu verlassen. Draußen wollte man sich nochmal an der Gaffelbude treffen.
Poldi traf im “Wohnzimmer”
Draußen angekommen gesellten sich auch schnell einige bekannte Gesichter dazu, darunter die sichtlich angetrunkenden netten Leute Frank und Ruhrpott. Es wurde nochmal richtig gemütlich vor den Toren der Südtribüne, auch wenn ich bereits gefroren habe ohne Ende. Es ist eben doch nicht mehr wie einst im Juni. Ich werde bis zum Rest meines Lebens bereuen, das ich nicht den Sprung ins kalte Wasser gewagt habe und nicht schon in Hamburg beim legendären Tooor-Fantreffen gewesen bin. Kann ich im Nachgang aber sowieso nicht mehr ändern.
Nach und nach verabschiedeten sich die Leute. Sabine ist aus dem Block W1 erst gar nicht zurück zur Gaffelbude gekommen, leider. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, mich zu verabschieden. Ich hätte auch dran denken können, mich vom Boss persönlich, dem Gründer des Forums zu verabschieden, der nur vorher beim Fantreffen war, beim Spiel jedoch nicht. Auf einmal waren nur noch Hannes, Mel und Ich übrig. Aber das machte nichts, wir verstanden uns prächtig und hatten unseren Spaß.
Die Minuten verstrichen und Hannes machte mich darauf aufmerksam, ich könne ja mal zur Ausfahrt gehen, damit ich sehe, wie der DFB Bus rausfährt. Der rumänische Mannschaftsbus hatte das Stadion bereits einige Minuten zuvor verlassen. Und so ging ich zunächst alleine zur Ausfahrt und wartete, Mel und Hannes kamen schnell nach. Wir haben uns dann zusammen angesehen, wie der majestetische DFB Mannschaftsbus die Ausfahrt aus der Tiefgarage des Stadions hochfuhr und den Jubelrufen und dem Winken der begeisterten Fans, die extra für die Jungs dageblieben sind in der spätsommerlichen Abendkühle.
Selbstverständlich hielt ich mit der Kamera drauf – jedoch nicht darauf bedacht, das alles, was meinen Mund verlässt, auch später auf dem Video zu hören sein würde. Ich vergaß das für einen kleinen Moment, das Ergebnis sind meinerseits peinliche Audiokommentare auf Video – die Kommentare von Hannes und Mel dafür umso amüsanter, das war es dann wiederum schon wieder alle Peinlichkeiten meiner Stimme wert.
Der Bus fuhr vorbei und ich musste mich schon zusammenreissen, Hannes Kommentar nicht mit lautem Lachen zu beantworten: „Ich könnte natürlich eine Bierflasche auf diesen Bus werfen, dann hättest du ein besseres Bild“, kurz darauf Mels Kommentar „Oder soll ich mich lieber vor den Bus schmeißen und sagen ‘Ihr könnt nicht weiterfahren, ihr Arschlöcher?’ „ Unvergesslich. Mel hat sich nicht vor den Bus geworfen und Hannes hat auch keine Bierflasche geworfen. So fuhr der Bus ungehindert vorbei, zu meiner Freude wenigstens mit eingeschaltenem Licht, so sah man ein paar der Jungs. Mels „Da sitzt der Jogi, nä?“ wird mir in ihrem typisch Kölsche Dialekt in Erinnerung bleiben. Auch Hannes versuchte meinen Antrag „Tut die Aleksch mal winken“ (mein Spitzname im Forum übrigens) mit einem ausdrücklichen „Kommt schon Jungs, winkt doch mal!“ zu unterstützen. Leider vergebens.
Auch ein eher gelangweilt dreinblickender Marcell Jansen hinten am Fenster interessierte sich nicht dafür, das ich mir den Arm fast kaputt gewunken habe. Perfektes Timing bewies ich wieder beim Ausschalten der Kamera. So wurde Mels „Was für ein arrogantes…“ genau abgeschnitten. Auch wenn dieser Ausdruck diesem klasse Spieler selbstverständlich nicht gerecht wird. Ich hätte mich trotzdem sehr gefreut, wenn wenigstens einer von ihnen zurückgewunken hätte. Oder es hat tatsächlich einer gewunken, ich habe es nur nicht richtig gesehen. Das werde ich jetzt ja wohl nie erfahren, denn auf dem verwackelten Video ist bei derartigen Lichtverhältnissen so gut wie gar nichts zu sehen.
Ehrenrunde Teil 1
Das Spiel war zu Ende, das Fantreffen beendet und der DFB Bus auf dem Weg zum Mannschaftshotel. Mel, Hannes und Ich entschlossen, auch unseren tollen Abend an dieser Stelle langsam ausklingen zu lassen. So machten wir uns auf den Weg zur Bahnhaltestelle, wo wir in den Genuss von Mels fantastischen WM-Geschichten gekommen sind. Jene spannende und lustig erzählte Storys im Kölsche Dialekt werden im Gedächtnis bleiben. Zu Ende war das Fantreffen endgültig am Kölnder Rudolfplatz, wo Mel sich von uns verabschiedete. Und Hannes und Ich machten uns auf den Weg zu unserer Übernachtungsstätte.
Ehrenrunde Teil 2
Höchst zufrieden und mit fast vollständig erfüllten Erwartungen war ich sehr begeistert von diesem Abend im Kölner Stadion. Ich freute mich sehr, sooo super nette Leute kennengelernt zu haben, ein (teils) sehr gutes Spiel der Jungs gesehen zu haben mit dem Sieg als Krönung. Der Weg, der länderspieltechnisch noch vor mir liegen wird, wird noch sehr lang sein, und ich bin schon sehr gespannt darauf. Auch werde ich mal weiter fahren als „nur“ 500 Kilometer. Und auch dieser Tag hat wieder einmal gezeigt, das die Reisen im Namen der Fußball-Leidenschaft die Schönsten sind, die ich machen kann.
Es ist vollbracht, weitere 3 Punkte auf dem Weg zur Europameisterschaft 2008 in Österreich/Schweiz. Ich bin unglaublich stolz auf diese Mannschaft! Es war kein besonders hübsches Spiel, aber dafür war es umso wichtiger. Wieder geschwächt durch fehlende Stammspieler traten wir gestern abend zum EM-Qualifikationsspiel in Wales an.
Unsere Jungs!
Scheinbar mühelos marschiert die Deutsche Fußballnationalmannschaft durch die Spiele. Dies war Jogi Löws 13. Spiel als Bundestrainer. Seine Erfolgssträhne scheint unglaublich: 11 Siege, 1 Unentschieden und nur 1 Niederlage im bedeutungslosen Freundschaftsspiel gegen Dänemark, was ein Debütantenball war. Jene Debütanten von damals können heute allerdings ohne große Mühe die wichtigen Ausfälle kompensieren, siehe das Spiel gegen England vor 2 einhalb Wochen.
Miro ist Kapitän und endlich wieder der Alte…
Während andere große Mannschaften des Weltfußballs noch Mühe und Not beim Lösen ihres EM-Tickets haben, wie England oder Italien, haben wir die EM-Teilnahme schon so gut wie sicher. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn uns das noch misslingen würde. Also Leute, nehmt euch schonmal Urlaub beim Chef für den nächsten Sommer.
…denn zum Tore machen ist er da! Und er kann es!
Wie immer schaute ich das Spiel bei meinen Eltern. Stunden vorher fingen Zahnschmerzen an, mir die Vorfreude aufs Spiel zu verderben. Sollte dies etwa ein schlechtes Omen sein? In der Halbzeitpause des Spiels Hertha BSC Berlin gegen VfB Stuttgart, welchem ich live in Berlin beigewohnt habe, bekam ich Bauchschmerzen. Wer den Beitrag über meinen Kurztrip nach Berlin gelesen hat, weiß, das dies jedenfalls kein gutes Omen war. Eine Schmerztablette später hörten die Schmerzen dann aber doch noch auf und ich konnte beruhigt mein Spiel schauen.
Bastian “Silberpfeil” Schweinsteiger im Zweikampf
Mein Vater witzelte zu Beginn des Spiels: “Ich geb den Jungs 3 Minuten, dann fällt das erste Tor.” – Schön wärs, dachte ich mir. Die ersten 3 Minuten verstrichen ohne ein Tor, aber mit einer (fast schon selbstverständlichen) sehr starken deutschen und einer überraschend schwachen walisischen Mannschaft im Millenium Stadion in Cardiff, welches seeeehr viele leere Plätze aufwies. Nach nur wenigen Minuten gab es erste Schlägereien von deutschen Hooligans – so schade eigentlich! Und das der deutsche Block während der Schweigeminute gebrüllt hat “Hurra, Hurra, die Deutschen die sind da!” gebrüllt haben – in aller Freundschaft, aber in einer Schweigeminute sollte man so viel Anstand haben und schweigen. Danach hätte wir gut und gerne die Waliser in Grund und Boden singen können – wie das auswärts funktioniert, haben 6500 Landsleute in England schon besonders eindrucksvoll gezeigt!
Starke Szene: Roberto Hilbert auf…
Der alte Herr hatte also Unrecht, dachte ich mir in der 4. Minute. Ich wollte schon meinen Mund aufmachen und sagen “Scheiss’chen wars”, da fiel auch schon das erste Tor. Und wem haben wirs zu verdanken? Miroslav Klose, sein erstes Tor nach 1 Jahr und 2 Tagen im Nationaldress (zuletzt in San Marino getroffen), sein erstes Spiel als Mannschaftskapitän und sein 70. Tor im 35. Spiel – das macht eine herrliche Rechnung! Er ist wieder da, und es ist ein wunderbares Gefühl, nachdem er lange Monate ein beunruhigendes Formtief hatte. Wie wichtig es dann aber ist, das Jogi an ihn geglaubt hat, offenbarte sich nun also doch noch.
…Miro Klose, der bereits am Tor wartet. 2:0!
Ich will das Spiel nicht unnötig in den Himmel heben, denn so toll wars wirklich nicht. Die Abwehr stand fest, unsere ebenso wie die der Waliser. Das Mittelfeld ackerte sehr gut, doch der letzte Pass zum Torabschluss kam meist nicht an. Daran muss noch gearbeitet werden. Aber es zeigte sich wieder, das wir sehr systemorientiert arbeiten, und nicht wie z.B. die Engländer oder die Waliser spielerorientiert. Dann wird es nämlich sehr viel schwerer, die halbe Mannschaft ersetzen zu müssen und trotzdem überlegen zu gewinnen.
Jubeltraube für unseren Doppel-Torschütze!
Zur Pause stands 1:0, ich süffelte genüsslich meine supersaure Grapefruitlimonade (selbstverständlich kalorienarm!) und führte die gewohnten Fußballfachgespräche mit meinem Vater. Mein erarbeitetes Wissen über den Fußball und das Drumherum scheint meinen Vater zwar nicht mehr zu schockieren, aber nachwievor zu beeindrucken.
So macht Siegen Spaß: Das Danke an die Fans
Danach gings voller Vorfreude weiter, ich war großer Hoffnung, das noch mehr Tore für unsere Jungs fallen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Gut, wir mussten aber lange darauf warten. Das Spiel verflachte und wurde richtig langweilig. Wenn ich da an England denke, ich hab vor lauter Aufregung so viel Wasser in mich hineingeschüttet und musste bereits nach einer halben Stunde aufs Klo, aber ich hab mich durchgebissen – ganz ohne Maleur!
Danke, Miro! Das war…
Eine Stunde war gespielt und man Vater ließ schon wieder so eine Vorhersage los! “So, jetzt Druck machen, dann macht ihr auch noch ein Tor!”, meinte er. Und just in dem Moment klingelte es es schon wieder in der Kiste. Wieder war es unser Miroslav Klose, der das Tal der Tränen nun endlich durchschritten hat. Weitere Chancen brachten allerdings dann nichts mehr ein und als der Schiri nach 93 Minuten endlich das Spiel abpfiff, waren wir wieder unendlich glücklich, unsrem Vorsatz, dem EM-Ticket, wieder ein großes Stückchen näher gekommen zu sein.
…SPITZE!!!
Danach gabs noch das aktuelle Sportstudio mit weiteren Spielen. Tschechien, die wir im März mit 2:1 auswärts schlugen und die wir am 17. Oktober zu Hause empfangen (LIVE DABEI in München! YEEEEEEHAAAAAW! Sorry!), quälten San Marino nur mit Mühe ein 3:0 ab. Ich erwähne es immer wieder gerne: Wir haben die geschlagen mit 13:0 auswärts und 6:0 zu Hause. Das Revange-Duell Italien gegen Frankreich, die Wiederholung des WM-Finales 2006, blieb ohne ein einziges Tor – wie langweilig!
Und wieder ein Sieg, wieder glücklich und zufrieden. Nun hoffen und glauben wir alle an einen Sieg am Mittwoch in Köln, wenn Rumänien der Gegner ist. Es ist nur ein Freundschaftsspiel, aber ich bin live dabei. Auf der Liste stehen noch 4 EM-Qualifikationsspiele: Auswärts gegen Irland und zu Hause gegen Zypern, Tschechien (YEEAAAAAAAH! Sorry nochmal!) und noch einmal Wales. Ich bin sehr guter Hoffnung, das wir auch diese Spiele gewinnen. Denn mal ehrlich..wer soll uns schon groß aufhalten, hä?
03.09.2007 um 20:42 Uhr · Veröffentlicht unter Allgemein
Das ist doch kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, das ich seit 2 Monaten nicht beim Sport war. Eine Achillessehnenzerrung warf mich lange zurück, aber jetzt gehts trotz manchmal auftretender Schmerzen einfach nicht anders. Ich muss wieder was tun! Und wie ich die ganzen Wochen gefuttert hab, ohne mich zu bewegen…ich dachte mich trifft der Schlag, wenn ich mich im Fitnessstudio wieder auf die Waage stelle. Scheiss’chen wars! Nur 100 Gramm zugenommen! Das lass ich mir gefallen. Nun muss ich aber wirklich durchgreifen und mehr machen. Irgendwann will ich auch mal von mir behaupten, 55 Kilo zu wiegen – mein Wunschgewicht. Aber bis dahin… long, long way to go.