5 Jahre können verdammt lange dauern oder auch wie im Fluge vergehen. In der 5. Klasse stöhnte ich: “Erst in 5 Jahren hat die Scheisse ein Ende”, aber das ich mich schon vor 5 Jahren bei der Giga-Community angemeldet habe, kommt mir ganz unwahrscheinlich vor. So ist es aber.
Es war der 4. Januar 2002. Informatik-Unterricht in der Schule. Die letzten 10 Minuten der Schulstunde, der Lehre hatte keinen Bock mehr. Surf-Erlaubnis, also bin ich bei Giga gelandet, wo ich einige Monate zuvor die 100. Sendung von der Show “Giga Games” (täglich 22 bis 0 Uhr) im Fernsehen gesehen hatte, ein Abkömmling der normalen Show (täglich 15 bis 18 Uhr). Ich mochte diese Show, in der neue PC-, Konsolen- und Browsergames vorgestellt und getestet wurden. Und so meldete mich an jenem Tag in der Community an. Was ich damit angerichtet hatte, konnte ich in den ersten 10 Minuten als Giga-User noch nicht ahnen.
Zu dem zeitpunkt hatte ich noch kein eigenes Internet. Wenn ich ins Internet wollte, musste ich das entweder im Informatik-Unterricht tun, oder ich bin in die Stadtbibliothek gegangen, was ich dann fast 2 Monate lang jeden Tag gemacht hatte. Das eigne Internet bekam ich erst im April 2002, wo ich meinen Eltern 2 Monate hintereinander eine 400 Euro Telefonrechnung bescherte, da es nur ein Modem-Anschluss mit Normal-Tarif war. Ich gelobte zwar, das ich “nur 2 Stunden am Tag surfe, versprochen Mama!”, aber daraus wurden wegen des Chats, den ich dauernd besuchte, immer mehr bis ich irgendwann nur noch vor der Keule saß und chattete.
Das wurde meinen Eltern zu viel und sie gaben mir endlich meinen Willen: Meine DSL Flatrate. Surfen, bis der Arzt kommt. Oder bis meine Mutter von Nachtschicht nach Hause kam und mir nur eine Internetadresse mitteilte: www.ab-ins-bett.de – Wie wahr. Der Sommer kam und ich verbrachte die meiste Zeit im Giga-Chat. Nur wenig Zeit opferte ich dem Lernen für die Abschlussprüfungen der Realschule. Ich kannte viele Leute im Chat und hatte meinen Spaß mit denen. Dort lernte ich auch Jungs kennen, mit denen ich fest zusammengekommen bin. Ob das jetzt gut war, man kann sich drüber streiten.
Als ich mit meinem ersten Freund zusammenzog, schwand die Verbindung zu Giga dahin, oder vielmehr, die Lust dort zu chatten. Auch danach ist die Freude daran nicht wiedergekehrt. Aber die Verbindung zu manchen Freunden blieb erhalten. So habe ich zum Beispiel heutzutage immernoch oder wieder Kontakt zu alten Giga-Chattern, die mich im Chat-Jahr 2002 begleitet haben. Manche Freundschaften gingen über das bloße Chatten hinaus. So traf ich mich mehrmals mit einer Chatterin, wir verstanden uns immer, das hat sich bis heut nicht geändert. Nur gesehen haben wir uns schon länger nicht mehr.
Ich erinnere mich noch an viele Sachen… von wem ich meine ersten Superuser-Rechte bekommen habe, das meine Friendsliste mal voll war und ich keine neuen Friends hinzufügen konnte. Alle paar Sekunden blinkte unten die Statuszeile “Giga-Friend XY hat soeben die Community/den Chat betreten”. Ich erinnere mich an meine Chat-Hochzeit, die damals wohl fast jeder gemacht hatte, an die User, die mich so belöffelt haben das ich zu nem VIP gehen musste, an die Schwärmereien über die Netzreporter (die Moderatoren der Sendung), an meinen Herzschlag, als eine Frage von mir ON AIR an den anwesenden Gast gestellt wurde, es ist SO VIEL hängen geblieben.
Meine Zeit bei Giga ist übrigens richtungsweisend, wenn nicht sogar entscheidend für meinen Weg zum Webdesign gewesen. Viel zu erzählen hatte ich schon immer. Man schlug vor, das ich doch ne Webseite bei Beepworld machen sollte. Die Webseite wurde so groß und unübersichtlich, das eine “ordentlich programmierte” (für meine damaligen Verhältnisse), hermusste. Und da hatte ich Spaß dran – und das hat sich in den letzten Jahren auch nicht geändert. Nun arbeite ich fest angestellt als Webdesignerin – angefangen hats mit ner Seite bei Beepworld: Die offizielle Simpsonologenpage.
Diesen Beitrag widme ich meinem alten Freund Simon. Unsere Zeit wird kommen.








