Was ist der “Tag der Einheit” eigentlich? Fragen wir Onkel Wikipedia:
Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist seit 1990, als an diesem Datum die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen wurde, Deutschlands Nationalfeiertag. Für das Gebiet der alten Bundesrepublik löste er in dieser Funktion den 17. Juni ab, für das Gebiet der vormaligen DDR den Tag der Republik.
Fakt ist, das der Tag der deutschen Einheit ein gesetzlicher Nationalfeiertag ist, an dem fats jeder Arbeitnehmer oder Beamte frei haben.
Da dieser Tag dieses Jahr auf einen Dienstag fiel und Montag ein Brückentag ist, hätte ich den Montag auch noch freinehmen können. Was ich aber nicht getan habe. Also blieb mir der Dienstag als freier Tag. Den genoss ich mit gemütlich ausschlafen bis halb 2 und dann direkt an den Rechner. Heute hatte ich noch etwas wichtiges vor. Aber drehen wir die Uhr noch einmal etwa 48 Stunden zurück.
Es ist Sonntag, der 1. Oktober 2006. Viele von euch kennen mit Sicherheit das Portal “Stayfriends”, richtig? DAS Portal überhaupt, wo man ein Profil anlegen kann, in welche Schulen mann wann gegangen ist, Fotos hochladen, alte Mitschüler wiederfinden und kontaktieren. Nun, ganz so leicht ist es nicht. Das Anlegen des Profils mit Eintragen an seinen Schulen und das Hochladen der Fotos funktiert. Die Suchfunktion funktioniert auch so, wie sie sollte. Nur das Kontaktieren ist problematisch. Man kann nur einen Kurzgruß schicken, bei dem man aus 5 Dingen wählen kann: “Schön, dich hier zu finden!”, “Lass mal wieder von dir hören”, “Kennst du mich noch?” und so weiter. Mehr sieht der Gegenüber aber nicht. Nur den Namen und den ausgewählten Kurzgruß. Um eine komplette Nachricht zu senden braucht einer von beiden eine Gold-Mitgliedschaft. Und die kostet 18 Euro im Jahr. Ist nicht viel, klar, aber es summiert sich.
So möbelte ich also am Sonntag abend mein Profil auf, ich stellte ein aktuelles und altes Foto von mir rein sowie zwei Klassenfotos von der Realschule und von der Ausbildung und benannte diese fast komplett. Ich trug außerdem noch meine Grundschule, die 77. Grundschule in Leipzig, ein, diese fehlte nämlich noch in meinem Profil. Und was sehe ich da? Ein “Tamas” ist für meinen Jahrgang eingetragen. Nanu? Wer kann das sein? Ich hatte jemanden in meiner Klasse, dessen Name damals soweit ich weiß “Tomasch” ausgesprochen wurde, Thomas geschrieben mit einem Häkchen hinten dran. Klingt komisch, ist aber so. Ich klickte sein Profil unverzüglich an, sah das Foto und mir war ziemlich klar, das es sich um besagten alten Mitschüler handelte. Ich hinterließ einen Kurzgruß und wartete gespannt, ob was zurückkommt. Außerdem nutzte ich den Anlass und rief in meiner alten Schule an, um mich nach unsrer alten Lehrerin zu erkundigen. Diese sei schon in Rente. Schade. Aber wundert mich ehrlich gesagt nich, sie war schon damals nicht mehr die Jüngste.
Am nächsten Tag auf Arbeit staunte ich nicht schlecht: Eine E-Mail von Tamas erreichte mich, er meinte, ich wäre im Internet ja nicht sonderlich schwer zu finden – Recht hat er. Am Abend ICQten wir dann bereits kräftig und tauschten Anekdoten aus unserer Schulzeit aus, die, wie ich in diesem Artikel noch nicht erwähnte – schon über 10 Jahre zurückliegt: Ich besuchte die Grundschule von 1992 bis 1996. Wir tauschten noch alte Schulfotos aus, die wir auf Anhieb finden konnten und sammelten die Namen zusammen, die in den grauen Zellen hängen geblieben sind – es kamen überraschend viele Namen zusammen. Nur von sehr wenigen fehlt uns lediglich der Nachname. Kein schlechter Schnitt.
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Im Verlauf des Abends zeichnete sich eine Sache bereits deutlich ab: Wir wollen die anderen wiederfinden, wissen, was aus denen geworden ist und wollten natürlich schauen, in welche Richtungen man sich entwickelt hat. Tamas und ich zum Beispiel, wir haben 10 Jahre kein Wort von einander gehört oder gelesen, dachten vielleicht ab und zu mal an das mögliche Schicksal der anderen, mehr aber auch nicht. Da geht man 10 Jahre getrennte Wege um dann festzustellen, das man doch in etwa gleich geblieben ist: Beide sind wir Webdesigner/Programmierer, vergöttern die Simpsons und haben ne quasi Standleitung zum Internet.
In dieser Nacht, von Montag auf Dienstag, die übrigens sehr aufregend für mich war, beschlossen Tamas und ich, das wir 2 möglichst viele von den anderen ausfindig machen wollen. Auch mit Hilfe des mächtigen Internets nicht immer ein leichtes Unterfangen. Eine haben wir gleich gefunden: Eine alte Mitschülerin namens Paula, die als eine der wenigen sehr einfach zu finden war: Webseite, deren Domain aus Vor- und Nachnamen besteht. Wir sind uns sicher, das sie es ist. Tamas hinterließ einen Gästebucheintrag, mit der Bitte um Anmailen. Noch hat sie sich bei mir nicht gemeldet. Schade eigentlich. Ich hatte tierisch viel Spaß mit ihr an meinem Geburtstag damals. Außerdem fing ich schon damit an – eilig wie üblich – das Telefonbuch nach den ersten Namen zu wälzen. Die Leipziger Viehweg’s standen oben auf meiner Liste. Warum? Seltener Name, dachte ich. Aber 12 Namen gabs. Also nahm ichs mit für den Feiertag vor, in der Hoffnung, den guten alten Oliver zu finden.
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Am Nachmittag des Tags der deutschen Einheit telefonierte ich also ein bisschen rum. 4 mal kannte man keinen Oliver, aber der 5. Anruf war ein Volltreffer: seine Mutter war dran. Sie kannte mich sogar noch vom Namen her, das istn Ding, wa? Oliver war nicht zu Hause, aber seine Mutter wolltes ihm ausrichten, wenn er nach Hause kommt. Ich hinterließ meine Telefonnummern und wartete den ganzen Abend auf Rückruf.
Etwa halb 9 klingelte es dann endlich und ich hatte einen sehr überraschten Oliver am andren Ende. Wir lachten, quasselten und machten ein Treffen für Samstag aus – darauf freue ich mich schon, aber “wie ein Keks”, wie ich auch schon Oliver gesagt hatte, *hehe*.
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Also ich weiß nicht, wie ihr über meine Geschichte denkt, aber ich halte es nicht nur für einen bloßen Zufall, wenn alte Mitschüler 10 Jahre nach dem Auseinandergehen ausgerechnet um und am Tag der Einheit zusammentreffen. Das ist ein Zeichen. Ich werd alles mir mögliche tun, um die anderen zu finden. Also Leute, ich werde euch finden! Ihr könnt euch nicht vor mir verstecken, bwuahahahahahahusthust.











