Warum einen extra Teil zur Heimreise schreiben? Ganz einfach, weil es nochmal ein bisschen dazu zu erzählen gibt. Wie in Teil 2 schon berichtet, war das Konzert ungefähr 23 Uhr zu Ende und eine weitere Stunde hat es gedauert, aus dem Gedränge rauszukommen. Dieser Teil erzählt nun also die Geschichte, was nach Mitternacht passiert ist.
Als ich mein Deospray am Ausgang abgeholt hatte, wollte ich unbedingt nochmal zu dem Rummelplatz, der da direkt nebendran war. Ich fotografierte das Riesenrad, welches mit hellen Lichtern und entsprechender Bewegung ein tolles Bild mit Bewegungsunschärfe entstehen lässt. Und wie ich nunmal bin, gab ich mit einem Foto des Riesenrads nicht zufrieden. Ich wollte noch weiter durch den Rummel laufen und als ich dann mein Lieblingsfahrgeschäft, für das ich nichtmal einen Namen habe, entdeckt habe, wollte ich unbedingt eine fahrt machen. Alex, der kleine Angsthase, wollte nicht mitfahren und so wollte ich mir selbst einen Fahrchip holen. 2 Euro, was solls. Bevor ich mir aber einen fahrchip holen wollte, wurde ich von einer jungen Frau nebenan angehalten, die mir ihren Fahrchip für nur einen Euro anbot. Gutes Geschäft, gleich getauscht und dann rein in die Bude. Da ich schon übelsten Hunger hatte, war die Fahrt dann auch nicht besonders gut, ein bisschen schwummrich war mir schon, aber ich habe mich weder übergeben, noch bin ich im Zick-Zack weiter gelaufen. Nach 5 Minuten gings mir schon wieder prächtig.
An der Haltestelle angekommen, stapelten sich schon fast die Menschenmassen. Die größte Masse an Menschen war auf “meiner” Seite, also dachte ich “die werden schon alle zum Hauptbahnhof” wollen, und so stellten wir uns auch an. Die Bahn kam dann auch gleich und wir pressten uns alle rein. Die Luft, die dann da drin entstand, war auch so schon schlimm genug, aber das wir ausgerechnet eine Bahn erwischen mussten, die weder funktionierende LED-Anzeige hatte, noch eine Durchsage, wo man grade ist, hat uns dann den Rest gegeben. Alex schaute schon die ganze Zeit nach draußen auf die Haltestellenbeschriftungen, aber der Hauptbahnhof kam und kam einfach nicht. Bis wir es dann laut aussprachen “Wann kommt denn endlich mal der Hauptbahnhof?”, dann wurde uns gesagt, wir seien in die falsche Richtung gefahren. Toll. Einfach toll. So stiegen wir gleich bei der nächsten Haltestelle aus, fragten ein junges Pärchen, wos lang geht und fuhren in einer recht leeren Bahn in die andere Richtung. Nach einigen Minuten fahrt kamen wir dann sogar tatsächlich am RICHTIGEN Hauptbahnhof an, wahnsinn. Aber dort wartete bereits der nächste Schock.
Von dem vielen Trinken Stunden zuvor musste ich natürlich aufs Klo, also suchte ich gleich mal eine Toilette auf. Dort kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch, die laut ihrer Aussage, eben den letzten Zug nach Hause verpasst hatte. Ich meinte, ich würde auch hoffen, noch diese Nacht nach Leipzig zurückzukommen. Sie nahm mir gleich alle Hoffnung mit einem “Das kannst du vergessen, nach Leipzig fährt vor halb 5 nix mehr, die Leute pennen schon oben am Gleis.” Das hat mir grade noch gefehlt. Ich schaute nach, es war wirklich wahr, der nächste Zug würde erst 4:27 Uhr fahren. Was für eine beschissene Organisation. Der letzte vor 4:27 Uhr fuhr 22:30 uhr. Toll. Echt toll. Ich sackte nahezu in mich zusammen, hatte plötzlich das letzte bisschen Kraft verloren, war todmüde, hatte Hunger, Schmerzen in jeder Ecke meines Körpers und wollte nur noch nach Hause. Das ich über 3 Stunden auf den erlösenden Zug nach Hause warten müsste, hat mich aber nicht unbedingt motiviert.
Kurz bevor wir uns ein Ticket für 4:27 Uhr ziehen wollten, kam ein junges Mädel angehetzt und fragte, wer nach Leipzig will. Sie berichtete, das sie versucht, 8 leute zusammenzukriegen damit wir gemeinsam ein Großraumtaxi nach Leipzig nehmen können. Wir waren sofort mit dabei, ohne eine Sekunde zu zögern. Vor dem Bahnhof gabs dann nochmal ein kleines Sit-In, ein bisschen Gequatsche, und dann kam endlich das Taxi. Wir stiegen alle ein, und in dem Moment, als wir drinsaßen, fiel mir ein Stein vom Herzen. Zu Beginn wurde noch ein bisschen geplaudert, größtenteils über Robbie Williams, aber dann wurde es ruhig, als das Taxi auf der Autobahn war. Auch ich lehnte mich entspannt zurück und war kurz darauf schon eingenickt. Ich schlief nicht tief und schreckte ab und zu hoch, aber es tat gut, die Augen schließen zu können.
Das sich ständig zu Wort meldende Navigationssystem des Taxifahres ließ mich dann für den Rest der Fahrt wachwerden und so fuhren wir Meter um Meter dem Zu hause entgegen. Er setzte uns am Hauptbahnhof Leipzig ab, wir bezahlten unsere 25 Euro (?) pro Person und stiegen aus. Meine erste Amtshandlung nach dem Aussteigen ist ein schnelles Öffnen meines Rucksacks gewesen, denn seit wir eingestiegen sind vermisste ich mein schönes Simpsons-Basecap, ich war mir nicht sicher, ob ich es im Rucksack verstaut hatte oder nicht. Glücklicherweise war es noch drin. Und so zerstreuten wir uns in alle Winde. Alex und Ich liefen dann zu den Straßenbahngleisen vor dem Hauptbahnhof und warteten noch kurz auf den Nightliner. Wir hüpften rein und waren kurze Zeit später schon da. Mit letzter Kraft robbten wir uns nach Hause, ich ging noch aufs Klo, zog mich um und fiel halb komatös ins Bett. Die grausamste Heimreise aller Zeiten.










